Erlebnisberichte

Claudine, 34 Jahre, Mutter von zwei Buben (im Alter von 3,4 Jahren und 1,2 Jahren) und eines Sternenkinds

Interview verfasst am 14. Juli 2015

Wie hast Du Deine erste Schwangerschaft erlebt und was war anders bei den nachfolgenden?

Da unsere erste Schwangerschaft in eine Fehlgeburt in der 12. Schwangerschaftswoche endete, waren wir in der zweiten Schwangerschaft neben der grossen Vorfreude und Hoffnung auch verängstigt, dass die Schwangerschaft nicht halten würde. Abgesehen von dieser Angst, die mal mehr und mal weniger stark war, empfand ich diese Schwangerschaft als schön: Ich fühlte mich trotz der Ängste ausgeglichener als sonst, was zwar etwas widersprüchlich klingt ;-). Auch fühlte ich mich richtig weiblich und hab dies genossen. Die dritte Schwangerschaft empfand ich ähnlich, ausser, dass die Gefühle einfach etwas in den Hintergrund traten und neben dem Familienleben herliefen. Die Dankbarkeit, nochmals schwanger zu sein, empfand ich als gleich stark.

Was waren besondere Erlebnisse/Ereignisse für Dich in der Schwangerschaft?

Eine besondere Erfahrung war ganz zu Beginn der Schwangerschaft, als ich das Gefühl hatte, schwanger zu sein und sich dies dann auch nach gefühlten 100 Tests bestätigte. In der nächsten Schwangerschaft wusste ich daher sofort anhand der ersten Anzeichen, dass ich wieder schwanger war. Es war irgendwie magisch zu wissen, dass nur ich das weiss (und auch noch kein Test dies anzeigen konnte). Es war wie ein verbindendes Geheimnis zwischen mir und dem Würmchen!

Dann war auch der erste Ultraschall ein besonderes Erlebnis – vor allem, zu sehen wie das kleine Herz schlägt. Ebenfalls besonders schön war, als das Baby im späteren Verlauf der Schwangerschaft so deutlich zu spüren war, dass es auch der werdende Vater von Aussen fühlen konnte.

Was war das Schönste in der Schwangerschaft?

Der positive Schwangerschaftstest und diese grosse Freude mit dem werdenden Papa zu teilen.

Das stolze Gefühl als sichtbar Schwangere durch die Gegend zu laufen, ein Gefühl, dass einem nichts und niemand etwas anhaben kann, aber sich gleichzeitig zerbrechlich zu fühlen, da man ja etwas mehr als sich selbst zu schützen hat.

Was war das Herausforderndste in der Schwangerschaft?

Aufgrund des schon angesprochenen Erlebnisses einer Fehlgeburt war jeweils das Herausforderndste der Umgang mit der Angst vor einem weiteren Verlust. Leider verspürte vor allem ich diese Angst und weniger mein Mann. Die Angst hielt jeweils bis zur Geburt an. Schwierig fand ich auch, dass ich mich in Bezug auf diese Ängste von meiner ehemaligen Frauenärztin nicht verstanden fühlte. In meiner letzten Schwangerschaft wechselte ich dann meine Frauenärztin und das war ein Glücksgriff, denn die neue Ärztin nahm mich sehr ernst und bot mir zeitweise engmaschigere Kontrollen an.

In der dritten Schwangerschaft empfand ich es als eine Herausforderung, schwanger zu sein und bereits ein Kleinkind zu haben. Ich litt leider unter starker Übelkeit im ersten Schwangerschaftsdrittel, so dass ich zeitweise den Alltag mit unserem kleinen Sohnemann nicht meistern konnte, und schliesslich Hilfe von meiner Familie und meinen Freunden in Anspruch genommen habe.

Wie hast Du die körperlichen Veränderungen während der Schwangerschaft empfunden?

Nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel und dem Abklingen der Übelkeit empfand ich das Wachsen des Bauches als sehr schön. Die letzten vier Wochen der Schwangerschaften empfand ich jedoch als beschwerlich, und ich habe diese auch nicht mehr geniessen können.

Wie hast Du die Geburt erlebt?

Die erste Geburt habe ich leider als traumatisch erlebt. Nach langem Einleiten und darauffolgendem Blasensprung entwickelte ich Fieber, musste mich ständig übergeben und fühlte mich einfach nur elend. Der Infekt ging dann schliesslich auf das Baby über. Das CTG* verschlechterte sich rasant, so dass ein Notfallkaiserschnitt die Folge war. Ich konnte unseren Sohn nur kurz sehen, und dann wurde er untersucht. Es ging eine gefühlte Ewigkeit bis mir jemand endlich sagte, dass unser Sohn Mühe mit der Atmung hatte. Als nächstes brachten sie ihn im Brutkasten mit Schläuchen angelegt an mein Bett und erklärten mir, dass er bei der Atmung maschinelle Unterstützung benötigt und geschwächt sei. Es brach mir das Herz, ihn nicht halten zu dürfen. Leider musste unser Sohn später noch in ein anderes Spital transportiert werden, da sie in der Neonatologie des Spitales, in dem wir waren ein bestimmtes Beatmungsgerät (CPAP) nicht hatten. Das war alles sehr schmerzhaft und turbulent, und es verging eine Weile bis ich dieses Geburtserlebnis annehmen konnte. Bei der zweiten Geburt haben wir uns für einen geplanten Kaiserschnitt entschieden. Dieser verlief sehr viel ruhiger, und es war ein versöhnlicher Moment unseren zweiten Sohn direkt nach dem Kaiserschnitt in den Armen halten zu dürfen.

Was hat sich durch die Schwangerschaften und die Geburt Deiner zwei Kinder verändert?

So viel in so vielen verschiedenen Bereichen und die allgemeine Einstellung gegenüber dem Leben.

Wir verspüren eine grosse Dankbarkeit für unsere zwei gesunden Söhne. Man hadert keinen Moment am Sinn des Lebens. Der ist vor einem: Unsere Kinder.

Unsere Ehe hat einiges aushalten müssen: Unser erster Sohn hat die ersten vier Monate sehr viel geschrien und schlecht geschlafen und war bis er 2.5 Jahre alt ein schwieriger Schläfer (er schlief bis zu dem Zeitpunkt nur zweimal ganz durch). Dieser Schlafmangel brachte uns häufig an den Anschlag, so dass wir füreinander nicht mehr die Geduld aufbringen konnten, auch noch auf die Bedürfnisse des Partners einzugehen. Da muss man sich bewusst Auszeiten für sich als Paar nehmen.

Mami sein - was heisst das für Dich?

Das bedeutet für mich, Liebe und Geborgenheit zu schenken, das ganz Individuelle, die Neigungen und Vorlieben beim Kind zu entdecken und dies zu schätzen und gleichzeitig Leitplanken zu stellen. Mami sein, heisst für mich ausserdem, die Erziehung der Kinder immer mal wieder zu überdenken und wenn nötig eine Richtungsänderung einzuschlagen, aber auch präsent zu sein, die eigenen Bedürfnisse im Vergleich zum kinderlosen Leben oftmals aufschieben zu müssen und sich über die täglichen Entdeckungen zu freuen. Es bedeutet für mich auch stolz zu sein, eine Mami zu sein.

* Abkürzung für den Begriff „Kardiotokographie“. Die Kardiotokoraphie beschreibt ein Verfahren zur gleichzeitigen Messung der kindlichen der Herzfrequenz und der mütterlichen Wehentätigkeit.

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Franziska, werdende Mutter in der 41. Schwangerschaftswoche

Interview verfasst am 23. Januar 2014

Was waren besondere Erlebnisse/Ereignisse für Dich in der Schwangerschaft?

Sehr besonders war natürlich der allererste Moment. Also dann, wenn der Schwangerschaftstest wie vermutet, erhofft oder gar befürchtet positiv ausfällt. Was dann mit einem passiert und wie man mit der Nachricht umgeht, wusste ich im Voraus nicht. Und auch nicht, wie der Partner reagiert, wenn auf diesem Streifen plötzlich zwei Striche angezeigt werden. Das war für mich ein bewegender Moment, einerseits sehr verwirrend und andererseits sehr wundervoll. Die Zukunft ist in gewisser Weise plötzlich unumgänglich vorgebahnt.

Als sehr besonders und interessant empfand ich auch die unterschiedlichen Reaktionen von unseren Freunden und Familienangehörigen auf die Nachricht, dass wir beide nun ein Baby erwarten. Was für starke Emotionen aber auch welche selbstbezogenen Reaktionen diese Nachricht bei gewissen Menschen in unserem Umfeld ausgelöst hat, war überraschend und interessant. Schliesslich reagierten aber alle sehr positiv und freuten sich mit uns.

Was war das Schönste in der Schwangerschaft?

Schön war, dass ich von Beginn weg eine einfache und unkomplizierte Schwangerschaft erleben durfte. Ich habe mich mit und in meinem sich verändernden Körper bis fast am Schluss sehr wohl gefühlt. Auch habe ich viel Bestätigung und Zuwendung von meinen Partner erhalten. Und unsere Freunde haben sich immer wieder herzlich und neugierig erkundet, wie es mir und uns geht, was in meinem Bauch passiert und wie sich das Baby darin entwickelt. Es war sehr schön, diese Faszination und Freude zu teilen. Sehr berührend war auch, zum ersten Mal die Herztöne des Babys während des Ultraschalls zu hören.

Was war das Herausforderndste in der Schwangerschaft?

Die Zeit, bis das erste Trimester überstanden ist, war emotional anstrengend. Diese Sorge, ob alles in Ordnung ist und ob sich das kleine Wesen in meinem Körper richtig einnisten, wohl fühlen und gut entwickeln kann. Vor den Terminen bei der Frauenärztin war diese Sorge jeweils am stärksten.

Als sehr herausfordernd empfinde ich aber auch die Zeit kurz vor der Geburt, vor allem die Tage um den errechneten Geburtstermin. Aktuell, in dieser Warte-Phase, sind viele gemischte Gefühle da: Neugier, Ungeduld, Angst und eine stark erhöhte Aufmerksamkeit. Genau jetzt soll sich die werdende Mutter aber entspannen und ausruhen, um für die bevorstehende Geburt Kraft zu tanken. Wenigstens bin ich seit zwei Wochen krank geschrieben und habe so ausreichend Zeit für mich. Nicht so mein Partner. Ich denke für ihn ist diese Phase der Schwangerschaft die herausforderndste. Unser beider Schlaf ist derzeit unruhig und selten erholsam. Tagsüber soll er dann seine beruflichen Pflichten erfüllen, im Wissen oder in der Sorge, dass ich jeden Moment anrufen könnte, worauf er dann sofort abspringen muss und zwei Wochen auszufallen wird.

Worauf freut Ihr Euch am Meisten?

Wir freuen uns darauf, das kleine Wesen endlich zu sehen, es zu halten, zu spüren und daran zu riechen.

Was hat sich durch die Schwangerschaft verändert? Und was wird sich durch das Baby verändern?

Es hat sich schon so Einiges verändert. Mein Partner und ich sind zusammengezogen. Wir wohnen jetzt nicht mehr in unseren WG-Zimmern, sondern in einer gemeinsamen Wohnung, inklusive Kinderzimmer. Und wir haben geheiratet.

Als werdende Eltern wird einem immer wieder gesagt, dass sich mit einem Kind alles verändern wird. Man soll die Schwangerschaft und die Ruhe und Zeit zu Zweit noch in vollen Zügen geniessen. Ein Kind zu haben sei zugleich aber auch das Schönste auf der Welt! Mal sehen… Wir werden uns überraschen lassen. Man kann ja so Vieles überhaupt noch nicht beeinflussen. Insgesamt verändert sich während der gesamten Schwangerschaft doch alles sehr langsam und nicht so plötzlich, wie man das erwarten könnte. Obwohl der Bauch mittlerweise unübersehbar ist, ist alles teilweise noch immer sehr surreal.

Körperliche Veränderungen?

Das Beobachten der körperlichen Veränderungen während einer Schwangerschaft, gehört wohl zum Spannendsten im Leben einer Frau. Noch nie habe ich mich so weiblich gefühlt wie während der Schwangerschaft. Was sich wie und wann in welchem Ausmass und aus welchem Grund verändert, ist faszinierend! Gewisse Veränderungen sind natürlich auch anstrengend.

Bald Mami – Was heisst das für Dich?

Das bringt vorerst ganz viele Veränderungen mit sich, vor allem natürlich was meinen bekannten Alltag angeht. Beruflich werde ich pausieren und die typischen Mami-Aufgaben übernehmen. So genau kann ich mir das noch nicht vorstellen, aber ich freue mich darauf.

Namenssuche?

Die Namenssuche gestaltete sich schwieriger als gedacht. Wir hatten die unterschiedlichsten Assoziationen zu bestimmten Namen und waren nicht immer einer Meinung…

Es wird ein Mädchen...

Das Kleine soll gesund und zufrieden sein, egal ob Mädchen oder Junge.

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