Wird die Schweizer Nationalmannschaft Fussballweltmeister?

von Dr. Roberto La Marca


Im Tierreich ist eine rote Färbung unter anderem abhängig vom Sexual-Hormon Testosteron. Testosteron beeinflusst – und das nicht nur im Tierreich – auch solch «typisch männliche» Eigenschaften wie ein dominantes und aggressives Verhalten. Interessanterweise kann man dominantes Verhalten bzw. Erscheinen bei Männchen sogar noch dadurch steigern, dass man den Anteil an roter Farbe künstlich erhöht (z.B. durch Einfärbung).

Die englischen Forscher Russell Hill und Robert Barton haben nun untersucht, ob die Farbe Rot auch mit sportlicher Leistung im Zusammenhang steht. Hierzu haben Sie Zweikampfsportarten an den Olympischen Spielen 2004 untersucht (Boxen, Tae Kwon Do etc.), bei denen die Kampfsportler mit roten oder blauen Trainingshosen antreten mussten.

Die Autoren haben festgestellt, dass Sportler mit roter Ausrüstung deutlich mehr Kämpfe gewonnen haben als diejenigen mit blauer. Dieser Befund war nicht nur für einzelne Sportarten gültig, sondern zeigte sich über die gesamte Palette der untersuchten Kampfsportarten. Natürlich sind Faktoren wie Kraft, Geschwindigkeit, Technik und Ähnliches zentral dafür, ob ein Sportler überhaupt so weit kommt, dass er bei den Olympischen Spielen antreten kan. Aber bei ähnlich starken Kontrahenten hat die Farbe Rot einen ausschlaggebenden Einfluss auf den Sieg. Mit anderen Worten: Je ähnlicher alle anderen Qualitäten der Gegner sind, desto eher spielt die Farbe eine Rolle.

Dass diese Daten keinen Zufall darstellen, zeigen auch Daten der Autoren im Zusammenhang mit der Euro 2004. D. h. die rote Farbe könnte nicht nur bei Zweiersportarten sondern auch bei Mannschaftssportarten eine Rolle spielen. Fünf Nationalmannschaften, die in der Regel ein rotes Trikot tragen (die Schweizer Nationalmannschaft lässt grüssen), wurden hier untersucht. Die Frage war, ob diese Mannschaften eine unterschiedliche Leistung erzielten, wenn sie das rote Trikot oder das Zweittrikot tragen mussten (vier Mannschaften in weiss, eine in blau). Alle Mannschaften spielten im roten Trikot erfolgreicher bzw. erzielten mehr Tore als im andersfarbigen.

Neben bekannten Zusammenhängen der Farbe Rot mit der emotionalen Stimmung und auch aggressivem Verhalten scheint rot also auch mit der sportlichen Leistung zusammenzuhängen. Was genau der zugrundeliegende Mechanismus ist, ist noch nicht geklärt. Bei engen Wettkämpfen scheint es sich aber zu lohnen, eine rote Ausrüstung zu tragen. Ob es an der Farbe Rot liegt, dass Ferrari das wohl erfolgreichste Formel-1-Team ist, Manchester United und Liverpool in England Rekordmeister sind, und Roger Federer im roten Shirt im Halbfinal des US Open 2009 Novak Djokovic geschlagen hat? Zumindest lässt der Befund die Fans der Schweizer Nationalmannschaft auf ein gutes Abschliessen an der WM 2010 hoffen. Welche Mannschaft wird bei einem Finale zwischen der Schweiz und Spanien wohl sein Trikot freiwillig gegen das Zweittrikot tauschen? Für diese Mannschaft könnte es dann wohl eng werden mit dem Sieg…


Quelle: Hill, R. A. & Barton, R. A. (2005). Red enhances human performance in contests. Nature, 435, 293.



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