Sag' mir, mit wem Du isst, und ich sag' Dir, was Du bestellst!

von Dr. Christine Seiger


Mit wem wir zusammen essen beeinflusst, was wir bestellen: Frauen, die mit einem Mann zusammen essen, bestellen ein Gericht mit weniger Kalorien als Frauen, die mit einer anderen Frau ihre Mahlzeit einnehmen. Dies gilt sogar für Gruppen: Je mehr Männer anwesend sind, desto geringer der Brennwert der Menüs der weiblichen Gäste. Waren Frauen unter sich war der Kaloriengehalt ihrer Mahlzeiten sehr ähnlich. Dies fanden Forscher der kanadischen McMaster University heraus.

Die Wissenschaftler um Meredith Young beobachteten heimlich, was sich Studierende in Universitäts-Mensen auf ihre Tabletts stellten, und zählten die Kalorien der Gerichte. Während Frauen sich je nach Gesellschaft anders entschieden, zeigten sich Männer davon gänzlich unbeeindruckt. Weder Geschlecht noch Gruppengrösse beeinflusste, welches Menü sie wählten. Young und ihre Kolleginnen hatten eigentlich angenommen, Männer würden in der Gegenwart von Frauen sogar mehr essen, um diese zu beeindrucken.

Mit ihren Beobachtungen in einem natürlichen Umfeld erweitern die Forscherinnen bisherige Studienergebnisse die zeigen, dass Menschen in Gesellschaft von Freunden – oder vor dem Fernseher – mehr essen als alleine. Dies trifft sogar schon für Kinder zu, die mehr Pizza essen, wenn sie mit anderen Kindern zusammen sind.

«Essen ist eine soziale Aktivität», erklärt Young die Befunde. «Was und wie viel jemand isst beeinflusst, wie man von anderen wahrgenommen wird.» Und da sich Werbung für Lebensmittel typischerweise an weibliche Konsumentinnen richte und nur schlanke Frauen gezeigt werden, könnten auch «schlanke Portionen» Weiblichkeit und somit Attraktivität signalisieren – zumindest aus Sicht der Frauen. In einer Studentenmensa sei so genanntes Impression Management ausserdem vermutlich besonders relevant, also bei Gleichaltrigen und potentiellen Partnern einen guten Eindruck zu machen. Ob diese «Weiblichkeitssignale» durch die Essenswahl bei den männlichen Studierenden auch ankommen, kann die Studie jedoch leider nicht beantworten.


Quelle: Young, M. E., Mizzau, M., Mai, N.T., Sirisegaram, A., & Wilson, M. (2009). Food for thought. What you eat depends on your sex and eating companions. Appetite, 53, 268–271.



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