Spieglein, Spieglein an der Wand…! Bin ich so schön, wie mich mein Partner findet?

von Dr. Maida Mustafic


Ehe- oder Lebenspartner sind in ihrer Attraktivität oft vergleichbar. Das Forscherteam um Professor Lee von der Columbia Universität in New York fragte sich, wie dieses Phänomen entsteht. Ihre Forschungsfrage war, ob die eigene Attraktivität massgeblich das Urteil beeinflusst, wen wir selbst attraktiv finden und mit wem wir eine Beziehung eingehen wollen.

Diese Frage ist insofern interessant, als eigentlich aus einer evolutionspsychologischen Perspektive angenommen wird, dass wir festgelegte, kulturell unabhängige Vorstellungen von Schönheit haben. Zum Beispiel werden grosse Augen, weite Pupillen, eine rosige Haut, symmetrische Gesichtszüge und ein bestimmtes Verhältnis des Hüft- im Vergleich zum Taillenumfang als attraktiv und sexy wahrgenommen. Wie kommt es dann, dass sich Personen durchaus auch weniger attraktive Partner aussuchen?

Für ihre Studie nutzten das Forscherteam um Professor Lee das Portal HOTorNOT.com. Bei diesem Portal können sich seit dem Jahr 2000 Nutzer mit ihrem Foto registrieren und von anderen Nutzern auf einer 10-stufigen Skala bewerten lassen. Nach durchschlagendem Erfolg des Portals wurden auch Optionen eingerichtet, mit denen Personen miteinander Nachrichten austauschen konnten. Insgesamt konnten die Forscher so Informationen von 1.6 Millionen Personen und 12 Milliarden Bildbewertungen sammeln – selbstverständlich mit deren Einwilligung.

Mit diesem Datenmaterial stellen die Forscher folgende Fragen: Schätzen weniger attraktive Personen andere als attraktiver ein als sehr attraktive Personen? Sind im Vergleich zu hoch attraktiven Personen die als unattraktiv bewertete Personen eher bereit, sich mit vergleichbar unattraktiven Personen zu verabreden?

Nicht erstaunlich ist sicherlich, dass sich alle Personen, unabhängig von ihrer eigenen Attraktivität, lieber mit den als besonders schön eingeschätzten Teilnehmenden des Internetportals verabredeten. Je unattraktiver eine Person war, desto eher sagte sie auch einem Treffen mit einer anderen Person zu, ganz unabhängig davon, wie attraktiv diese Person war.

Und wie steht es nun mit dem «Spieglein, Spieglein an der Wand»? Spiegelt sich unsere eigene Attraktivität im Anderen wider? Dies scheint nicht der Fall zu sein. Die Einschätzung der Attraktivität anderer Personen ist unabhängig davon, wie attraktiv man selbst ist. Das heisst, auch wenn unattraktivere Personen bereiter waren, auch eher unattraktivere Personen zu treffen, fanden sie diese deswegen nicht auch attraktiver. Sie haben einfach ihr Anspruchsniveau in Hinsicht auf physische Attraktivität gesenkt. Wie man es vielleicht schon immer hoffte: Humor und andere Eigenschaften könnten schlicht wichtiger sein als nur das Aussehen, insbesondere wenn man selbst keine Schönheit ist. Irgendwie ist das doch beruhigend, nicht wahr?


Quelle: Lee, L., Loewenstein, G., Ariely, D., Hong, J., & Young, J. (2008). If I’m hot or not, are you hot or not? Physical attractiveness evaluations and dating preferences as a function of one’s own attractiveness. Psychological Science, 19(7), 669–677.



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