Reizdarm

Projektleitung: Prof. Dr. rer. nat. U. Ehlert
Projektmitarbeiter:
lic. phil. K. Suarez
Forschungsförderung:
Else Kröner-Fresenius-Stiftung
Projektlaufzeit:
01.2008-05.2010

Wenn das „zweite Gehirn“ rebelliert: Reizdarm
Wir haben nicht nur ein Gehirn, sondern anscheinend ein zweites. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass unser Magen-Darmtrakt mit mehr als 100 Millionen Nervenzellen komplexer ist als das Rückenmark. Der Magen-Darmtrakt arbeitet relativ unabhängig vom Gehirn, obwohl sich beide Organe gegenseitig beeinflussen können. Das merkt man daran, dass uns zum Beispiel Ärger auf den „Magen schlägt“. Magen-Darmprobleme werden also nicht nur durch Bakterien oder Viren verursacht, sondern können aufgrund von lang anhaltendem Ärger, Stress an der Arbeit oder in der Beziehung zustande kommen, da sie Kommunikationsprobleme zwischen den beiden Organen begünstigen.
Etwa 10-20% der Bevölkerung sind vom Reizdarmsyndrom betroffen. Sie leiden häufig unter Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall und Verstopfung. Längerfristige Folgen einer solchen Erkrankung sind eine hohe Beeinträchtigung im sozialen und beruflichen Alltag sowie eine Abnahme der Lebensqualität und des körperlichen Wohlbefindens.
Eine kürzlich an der Universität Zürich durchgeführte Untersuchung ergab, dass 4.4% der Studierenden unter einem Reizdarm und 47% des Öfteren unter Magen-Darmbeschwerden leiden. In der neuesten Forschung geht man davon aus, dass das Zusammenspiel körperlicher und seelischer Bedingungen wie Stressbelastung, kritische Lebensereignisse, Work-life-Balance, erbliche Voraussetzungen und Entzündungen zusammen für die Entstehung eines Reizdarms verantwortlich sind. Bei der Behandlung ist es deshalb wichtig, möglichst alle Krankheitsbedingungen zu erkennen und gemeinsam zu behandeln.

Information zur durchgeführten Studie
Datenerhebung: Februar bis Dezember 2008 In dieser Studie wurden psychologische und biologische Besonderheiten verschiedener Untergruppen von Reizdarmpatienten untersucht. Dabei ging es darum, Reizdarmpatienten anhand einer differenzierten Diagnostik Subgruppen zuzuteilen und sie dann bezüglich verschiedener physiologischer  und psychologischer Merkmale zu untersuchen. Die Subgruppen wurden durch die prädominante gastrointestinale Symptomatik definiert (bspw. Schmerz, Obstipation, Diarrhö).

Ziel der Studie
Das Ziel der Studie war es, die Verteilung (Häufigkeit) der einzelnen Reizdarmsubgruppen zu definieren sowie sie bezüglich ihrer symptomatischen Besonderheiten zu beschreiben. Dazu gehört bspw. die Beantwortung von Fragen, wie häufig ein psychisches Problem (Bsp. Depression) in Kombination mit einem Reizdarmsubtyp auftritt und ob diese Patientensubgruppen ein spezifisches biologisches und /oder psychologisches Profil aufweisen. In anderen Worten, ob Reizdarmpatienten mit zusätzlichen psychischen Problemen spezifische biologische Veränderungen aufweisen. Die Kenntnis solcher Zusammenhänge ist der Ansatzpunkt für die Planung neuer und spezifischer Therapieansätze.

TeilnehmerInnen
In die Studie wurden Männer im Alter von 20-65 Jahren und Frauen im Alter von 20-50 Jahre mit Reizdarm eingeschlossen. Insgesamt nahmen 110 Personen teil. Ausschlusskriterien: BMI >30, Konsum psychotroper Substanzen.

Ablauf der Untersuchung
Die Patientenrekrutierung geschah über Fachärzte, Spitäler und Aushänge. Die Untersuchung bestand aus drei Teilen: Einem diagnostischen Interview (etwa 1.5h), einer selbstständigen Speichelsammlung (anhand genauer schriftlicher Anleitung) zuhause und einem Studiennachmittag im Labor (Insgesamt ca. 6h). Alle Messungen sind ungefährlich und schmerzfrei.
Der genaue Untersuchungsablauf wurde den Teilnehmenden anhand der Probandeninformation erläutert. Am Studientag wurde die Aktivität des autonomen Nervensystems abgeleitet sowie während des ganzen Nachmittags in regelmässigen Abständen Blut- und Speichelproben gesammelt. Aus den Blutproben wurden Stress- und Darmhormone bestimmt, aus den Speichelproben nur stresssensitive Parameter. Nach dem Eintreffen im Labor, wurde erst das LifeShirt zur Messung des ANS angepasst und ein Venenkatheter gelegt, damit über die nächsten Stunden Blutproben ohne erneutes Stechen entnommen werden konnten. Danach wurden nacheinander zwei Stimulationstests durchgeführt. Beide Interventionen sind ungefährlich und wurden schon mehrfach von verschiedenen Ethikkommissionen als bedenkenlos eingestuft. Es handelt sich dabei um eine mentale Aufgabe

Ethische Aspekte und Datenschutz
Die Studie wurde Mitte April 2007 der Ethikkommission des Kantons Zürich (SPUK) zur Prüfung vorgelegt. Die Studie folgt den Helsinki Prinzipien. Alle Probanden wurden umfassend informiert und über ihr Recht aufgeklärt die Teilnahme an der Studie jederzeit zu beenden. Die erhobenen Daten wurden anonymisiert und die persönlichen Angaben werden von den codierten Unterlagen getrennt aufbewahrt und archiviert.

Bei Fragen und für weitere Informationen können Sie sich gerne an folgende Person wenden:

Dr. phil. Kerstin Suarez-Hitz

k.suarez@psychologie.uzh.ch