Weniger Schlaf...weniger Angst?

von Josua Schmeitzky


Seit einiger Zeit ist bekannt, dass wir emotional geladene Erinnerungen besser abrufen können als neutrale. Dabei wird uns nicht nur der Informationsgehalt der Erinnerungen bewusst, sondern wir empfinden die mit der Erinnerung assoziierte Emotion. Dies ist natürlich schön, wenn es sich um Erinnerungen mit positiven Emotionen handelt: Das erste Date, das Resultat einer wichtigen Prüfung oder auch der letzte Urlaub am Mittelmeer. Unangenehm wird’s aber bei Erinnerungen, die mit negativen Emotionen assoziiert werden: Das erste Date, das Resultat einer wichtigen Prüfung oder auch der letzte Urlaub am Mittelmeer. Besonders stressreiche und traumatische Ereignisse können zu Erinnerungen führen, die letzten Endes zu einer posttraumatischen Belastungsstörung oder anderen Angststörung führen können. Deshalb ist vor allem aus klinischer Sicht, die Erforschung unserer emotionalen Erinnerung von zentraler Bedeutung.

Ein internationales Forscherteam aus Deutschland und der Schweiz, ging der Frage nach, inwiefern mit Angst assoziierte Erinnerungen durch den Schlaf beeinflusst werden. Da aus früheren Studien bekannt ist, dass genügend Schlaf eine positive Wirkung auf unser Erinnerungsvermögen hat, gingen die Forscher davon aus, dass dies auch bei von Angst geprägten Erinnerungen der Fall sein wird.

Um diese Annahme zu überprüfen, wurden 40 Probanden unterschiedliche Symbole (Kreis, Quadrat, Dreieck und Kreuz) dargeboten. Bei gewissen Bildern folgte mit einer 80%-igen Wahrscheinlichkeit ein Elektroschock. Diese schon von Pawlow entdeckte Konditionierungstechnik diente dazu, ein neutrales Symbol mit dem Gefühl der Angst zu verknüpfen. Die Probanden bildeten also eine durch Angst geprägte Erinnerung an ein Symbol. Nach dieser Lernprozedur konnte die eine Hälfte der Probanden schlafen gehen, die andere Hälfte blieb wach. Ein Tag später wurden alle Probanden nochmals eingeladen, um ihr Gedächtnis zu testen. Wie erwartet verspürten die Probanden ohne Schlafenzug mehr Angst bei den entsprechenden Symbolen. Zudem konnte auch bei den Probanden, die nach der Lernprozedur schlafen konnten, nachgewiesen werden, dass die Länge und Häufigkeit der Traum-Phasen (REM-Phasen), einen Einfluss auf die zuvor erlernten Angsterinnerungen haben. So war die Angsterinnerung umso stärker, je länger und öfter die Probanden geträumt haben.

Diesen Resultaten zufolge können also von Angst geprägte Erinnerungen durch Schlafentzug geschwächt werden. Zudem scheinen auch die Traumphasen in unserem Schlaf einen Einfluss darauf zu haben, wie stark sich von Angst geprägte Erinnerungen in unserem Gedächtnis festsetzen. Diese Erkenntnisse könnten schlussendlich zur Prävention von Angststörungen nach traumatischen Ereignissen genutzt werden.

Literaturangaben:
M.M. Menz, J.S. Rihm, N. Salari, J. Born, R. Kalisch, H.C. Pape, et al. (2013). The role of sleep and sleep deprivation in consolidating fear memories. Neuroimage, 75, 87–96.

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