Vertrauen schenken - in Sekundenbruchteilen?

von Andreas Göldi

 

Um die Eigenschaften fremder Personen zu beurteilen, benötigt man oft viel Information. Das Sammeln dieser Information kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Ein schnelles Beurteilen von Personeneigenschaften kann allerdings in vielen Situationen und Kontexten wichtig sein, um sich sicher durchs Leben zu navigieren.

Eine Personeneigenschaft, die besonders schnell beurteilt werden muss, ist Vertrauenswürdigkeit. Oftmals verwenden wir visuelle Informationen, um die Vertrauenswürdigkeit von anderen Menschen zu beurteilen (z.B. Gesichtsausdrücke). Wie lange müssen Menschen ein Gesicht betrachten, um die Vertrauenswürdigkeit einer Person einschätzen zu können? Um sich dieser Frage zu nähern, präsentierte eine Forschungsgruppe aus Princeton Studienteilnehmenden für kurze Zeitintervalle Bilder von Gesichtern und baten sie, die Vertrauenswürdigkeit der gezeigten Personen einzuschätzen. Ziel der Studie war es, herauszufinden, wie lange die Gesichter präsentiert werden mussten, bis sich die Urteile der Teilnehmenden mit den Urteilen anderer Teilnehmenden deckten, die die Gesichter ohne Zeitbeschränkung betrachten konnten.

Diejenigen Gesichter, die weniger als 33 Millisekunden präsentiert wurden, wurden so eingeschätzt, wie es der Zufall ergeben würde: die Studienteilnehmenden nahmen diese Gesichter anscheinend gar nicht richtig wahr. Gesichter, die länger als 33 Millisekunden dargeboten wurden, konnten überzufällig gut eingeschätzt werden. Mit zunehmender Darbietungszeit näherten sich die «kurzgetroffenen» Einschätzungen denjenigen Einschätzungen an, die ohne Zeitbeschränkung getroffen wurden. Nachdem allerdings die 167 Millisekundenmarke erreicht wurde, konnten keine weiteren Zugewinne in der Übereinstimmung beobachtet werden.

Um die Vertrauenswürdigkeit eines Gesichtes im Schnelldurchgang zu beurteilen, benötigt man also durchschnittlich nur 134 Millisekunden: schnell genug, um sofort reagieren zu können.

 

 

 

Referenz:

Todorov, A., Pakrashi, M., & Oosterhof, N. N. (2009). Evaluating faces on trustworthiness after minimal time exposure. Social Cognition, 27(6), 813-833.

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