Was Pornos mit uns machen

von Oliver Kaftan

 

Pornografie ist weit verbreitet und durch das Internet leicht zugänglich. Entsprechend untersuchen Psychologen schon seit mehreren Jahren, wie sich der Konsum derselben auf unsere Einstellungen und unser Verhalten auswirkt – etwa in der Ehe. Obwohl Umfragen unter Therapeuten darauf hindeuten, dass Pornokonsum z.B. Paaren mit Intimitätsproblemen helfen kann, scheinen die negativen Auswirkungen klar zu überwiegen. Direkt kann das Konsumieren von Pornografie u.a. mit einer niedrigeren sexuellen Zufriedenheit und geringerer Treue einhergehen. Indirekt können die Produktivität am Arbeitsplatz leiden oder sich mit dem Pornokonsum verbundene finanzielle Ausgaben negativ auf das Familienbudget auswirken.

Bisherige Studienergebnisse basierten häufig auf kleinen Stichproben, die meistens nicht repräsentativ für die ganze Bevölkerung waren. Doran und Price hatten sich deshalb zum Ziel gesetzt, in einer grossangelegten, für die USA repräsentativen Studie mit 20’000 verheirateten Personen zu untersuchen, wie der Pornokonsum mit sexueller Untreue, der Partnerschaftsstabilität, Ehezufriedenheit und dem allgemeinen Wohlbefinden zusammenhängt. Für ihre Analysen standen ihnen dabei Daten aus den Jahren 1973 bis 2010 zur Verfügung, wobei die Teilnehmenden jedes Jahr angaben, ob sie sich im vergangenen Jahr einen Pornofilm angesehen bzw. in den vergangenen 30 Tagen eine Pornoseite besucht hatten.

Die Ergebnisse zeigten zunächst einmal, dass mehr Männer (26%) als Frauen (17%) Pornos konsumierten. Ferner hatten Männer, die angaben, im vergangen Jahr einen Porno geschaut zu haben, eine um 60% höhere Scheidungswahrscheinlichkeit und eine 80% höhere Wahrscheinlichkeit für eine aussereheliche Affäre als Männer, die keine Pornos geschaut hatten. Ebenso war die Wahrscheinlichkeit, dass Erstere mit ihrer Ehe und mit ihrem Leben insgesamt zufrieden waren, deutlich reduziert (15% und 20%).

Bei den Frauen waren die Auswirkungen überall geringer, ausser bei ausserehelichen Affären: Frauen, die Pornos konsumierten, hatten mit einer um 90% höheren Wahrscheinlichkeit Sex ausserhalb der Ehe als nichtkonsumierende Frauen.

Die Effekte änderten sich dabei kaum, wenn die Forscher statistisch für andere mögliche Einflussgrössen kontrollierten (z.B. die Anzahl Kinder). Interessanterweise war der negative Zusammenhang zwischen Pornokonsum und Ehezufriedenheit jedoch bei Kirchengängern grösser als bei Personen, die der Kirche fernblieben; wahrscheinlich weil der Pornokonsum als nicht mit der kirchlichen Doktorin vereinbar gilt.

Schliesslich fanden Doran und Price, dass Personen, die häufiger Sex hatten, zufriedener mit ihrer Ehe und ihrem Leben allgemein waren. Bei Personen allerdings, die Pornos konsumierten nahm dieser Effekt deutlich ab bzw. verschwand er bei Männern vollständig. Gemäss den Autoren könnte dies u.a. dadurch bedingt sein, dass pornokonsumierende Männer Sex zunehmend als Leistung betrachten bzw. die „Leistung“ ihrer Frau im Bett mit jener von Pornodarstellerinnen vergleichen. Wenn die eigene Frau in diesem Vergleich nicht „mithalten“ kann, erleben sie den Sex als nicht mehr erfüllend.

Auch wenn die Studie die Frage nach der Kausalität offenlässt (Unzufriedenheit in der Ehe könnte auch zu erhöhtem Pornokonsum führen), deutet sie darauf hin, dass das Konsumieren von Pornos sich tiefgreifend auf die Ehe auswirken könnte. Interessanterweise nahmen die Effekte über die Jahre nicht ab, sondern eher zu.

Offen bleiben Fragen wie, inwiefern Pornokonsum sich auch auf die Zufriedenheit der Partnerin bzw. des Partners auswirkt und ob ein gemeinsamer Pornokonsum des Ehepaars mit weniger Problemen verbunden ist. 

 

Literaturangaben:

Doran, K., & Price, J. (2014). Pornography and marriage. Journal of Family and Economic Issues, 35, 489-498.

 

Bitte beachten Sie, dass diese Studie nicht in unserem Labor durchgeführt wurde. Wenn Sie an einer Studie in unserem Labor teilnehmen möchten, finden Sie dazu hier weitere Informationen.
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