Raus in die Natur! Wie ein Spaziergang unsere Verbundenheit zur Natur steigert und uns glücklich macht

von Dr. Jana Nikitin


Wann waren Sie das letzte Mal spazieren in einem nahe gelegenen Wald, am Fluss oder See? Wenn Sie nicht gerade einen Hund haben, ist das womöglich schon länger her. Dabei hat die Natur nur Positives zu bieten: sie beruhigt unsere von Reizen überfluteten Sinne, sie hilft uns, sich von Krankheiten zu erholen, sie baut Stress ab und sie macht uns glücklich. Ja, Studien zeigen sogar, dass sie das Risiko an Herzkreislauf- und Krebserkrankungen zu sterben mindert.

Umgekehrt profitiert aber auch die Natur von uns. Menschen, die sich viel in der Natur bewegen, sind motivierter, die Natur zu schützen. Sie sind eher geneigt, für ihren Arbeitsweg mal aufs Fahrrad zu steigen, Abfall zu rezyklieren oder sich zum Umweltschutz zu bekennen. Warum sind wir also so wenig in der Natur?.

Eine mögliche Erklärung ist, dass wir die positive Wirkung, die die Natur auf uns hat, unterschätzen. Wenn wir vor dem Entscheid stehen, auf dem Weg vom Büro nach Hause das Tram zu nehmen oder durch den Park zu laufen, denken wir weniger daran, dass der Spaziergang durch den Park unsere Nerven beruhigen und unseres Wohlbefinden steigern könnte. Stattdessen steigen wir lieber ins Tram, das uns schneller nach Hause bringt.

Aus dieser Überlegung heraus haben Elizabeth Nisbet und John Zelenski von der Carleton Universität in Ottawa zwei Studien durchgeführt. Sie wollten wissen, ob uns der Aufenthalt in der Natur tatsächlich Freude bereitet und wir uns danach deshalb mit der Natur verbundener fühlen. Gleichzeitig wollten die Forscher untersuchen, ob diese Freude vorgängig unterschätzt wird.

In beiden Studien baten Nisbet und Zelenski Studierende der Universität Carleton durch den Campus zu laufen. Eine Gruppe durfte den schönen Weg am Fluss entlang gehen. Die zweite Gruppe musste für die gleiche Strecke die Gänge der Universität benutzen. Ein Teil der Studierenden bewertete vorher, wie glücklich sie sich nach dem Spaziergang fühlen werden, ein anderer Teil bewertete ihre Gefühle nachher. Am Schluss wurden alle befragt, wie sehr sie sich mit der Natur verbunden fühlen.

Wie erwartet fühlten sich die Probanden, die am Fluss gelaufen sind, glücklicher als diejenige Gruppe, die durch die Gänge laufen musste. Dazu kam, dass sich die „draussen“ Gruppe durch ihre positiven Gefühle mit der Natur verbundener fühlte als die „drinnen“ Gruppe. Die Erwartungen vorher waren aber genau umgekehrt. Durch die Innenräume zu laufen ¬– dachten die Studierenden ¬– würde sie glücklicher machen als draussen zu laufen.

Die Schlussfolgerung aus den beiden Studien ist relativ einfach: Raus in die Natur! Es wird uns und die Natur glücklicher machen als wir denken.

Quelle: Nisbet, E. K., and Zelenski, J. M. (2011). Underestimating nearby nature: Affective forecasting errors obscure the happy path to sustainability. Psychological Science, 22, 1101-1106.

Bitte beachten Sie, dass diese Studie nicht in unserem Labor durchgeführt wurde. Wenn Sie an einer Studie in unserem Labor teilnehmen möchten, finden Sie dazu hier weitere Informationen.