Mehr Information als uns lieb ist: Eifersüchtige sollten Facebook eher mit Vorsicht geniessen

von Stefan Gabriel


In sozialen Netzwerken im Internet, wie beispielsweise Facebook, haben Personen die Möglichkeit, sich untereinander zu vernetzen, um miteinander in Kontakt zu kommen und zu bleiben. Benutzer erstellen eine persönliche Profilseite, auf der sie mehr oder weniger viele Informationen und Bilder von sich preisgeben können. Was früher einmal Poesiealben waren, sind heute solche Profilseiten. Nur dass mit diesen elektronischen Medien die Möglichkeiten unvergleichlich angewachsen sind. Neben Informationen wie Geschlecht, Interessen, Musikgeschmack und vielem mehr kann man jetzt auch Fotos von sich und seinen Freunden auf die Profilseite stellen und ausserdem jeweils über die aktuellen Tätigkeiten oder Gedanken und Gefühle informieren.

Facebook, MySpace und viele mehr – wie Pilze spriessen sie aus dem fruchtbaren Boden des World Wide Web und werden von den Benutzern rege gedüngt. Diese Entwicklung hat auch ihre Schattenseiten. Ein Beispiel hierfür ist die Eifersucht, die enstehen kann, wenn man intensiv auf den Profilseiten des Partners/der Partnerin herumsucht.

Die kanadische Forscherin Amy Muise und ihre Kollegen haben sich auf der Suche nach dem «grünäugigen Eifersuchtsmonster» in die Tiefen des Facebook-Universums begeben. Sie wollten herausfinden, ob eine intensivere Nutzung von Facebook zu stärkerer Eifersucht führen kann. Dazu sammelten sie Daten von 308 Studentinnen und Studenten im Alter von 17 bis 24 Jahren. In Fragebögen wurde unter anderem erfasst, wie sehr diese generell zu Eifersucht neigen und wie gut ihr Selbstwertgefühl ist. Ausserdem wurde ein eigens dafür entwickelter Fragenkatalog zur Erfassung von Eifersucht im Zusammenhang mit Facebook eingesetzt. Zum Beispiel wurden die Teilnehmenden gefragt: «Wie eifersüchtig wirst du, wenn dein Partner eine unbekannte Person zur Freundesliste hinzufügt?», oder «Wie sehr beobachtest du die Aktivitäten deines Partners auf Facebook?»

Die Forschergruppe fand nun heraus, dass Frauen deutlich mehr Zeit auf Facebook verbrachten und auch eifersüchtiger waren als Männer. Dies ist ein äusserst interessanter Befund, da sonst eigentlich Männer mehr zur Eifersucht neigen. Der zentrale Befund dieser Studie ist jedoch der, dass es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen der Zeit, die eine Person auf Facebook verbringt, und einer erhöhten Eifersucht gibt.

Neben zahlreichen Vorteilen, Freundschaften auch über grössere räumliche Entfernungen aufrecht erhalten zu können, scheinen Online-Netzwerke also auch emotionale Kosten zu haben, die durchaus beträchtlich sein können. Eine zentrale Frage ist jedoch, ob Facebook einen tatsächlich eifersüchtiger macht oder ob eifersüchtige Menschen dazu neigen, mehr Zeit auf Facebook zu verbringen – auf der Suche nach Beweisen für die vermutete Untreue ihrer Partner?

Aus den Daten geht hervor, so Muise, dass beides wohl untrennbar miteinander verkettet zu sein scheint. Die Einsehbarkeit der Profile anderer Leute gibt einem die Möglichkeit, Informationen über den Partner einzuholen, die andernfalls nie zugänglich wären. Die Aussage eines Studenten bringt auf den Punkt, was von vielen bestätigt wird: «Ich war immer schon ein wenig eifersüchtig und unsicher, aber ich denke, Facebook hat alles noch viel, viel, viel schlimmer gemacht.» Viele Benutzer sind sich also sehr wohl bewusst darüber, dass die Informationsflut, wie sie auf Facebook geboten wird, ihre Eifersucht schürt.

Amy Muise und ihre Kollegen regen dazu an, sich bei der Forschung in diesem Gebiet künftig besonders auf die verschiedenen Auslöser der Eifersucht zu konzentrieren und auf die verbrachte Zeit auf Facebook. Denn eines ist sicher: Für die Erforschung von Eifersucht bietet Facebook eine wunderbare Plattform.


Quelle: Muise A, Christofides E, Desmarais S. (2009). More information than you ever wanted: Does Facebook bring out the green-eyed monster of jealousy? CyberPsychology and Behavior, 12(4), 441–444.



Bitte beachten Sie, dass diese Studie nicht in unserem Labor durchgeführt wurde. Wenn Sie an einer Studie in unserem Labor teilnehmen möchten, finden Sie dazu hier weitere Informationen.