Man kann nur einem Meister gleichzeitig dienen

von Dr. Maida Mustafic


Das Sprichwort «Man kann nur einem Meister gleichzeitig dienen» bezieht sich nicht nur auf die Loyalität gegenüber Personen, sondern kann auf darauf angewendet werden, dass eine Handlung mehreren Zielen dienen kann. Allerdings ist wohl die Meinung weit verbreitet, dass ein Mittel, das gleichzeitig viele Zwecke erfüllt, besser ist als ein Mittel, das nur einen einzigen Zweck erfüllt. Zum Beispiel könnte «Sport treiben» besonders gut sein, weil es sowohl dem Zweck «Gewicht abnehmen» als auch dem Zweck «Muskeln aufbauen» dient. Demgegenüber dient eine Diät nur der Gewichtsabnahme und wäre damit weniger nützlich.

Dass das aber nicht immer der Fall ist, zeigten die Forscher Ying Zhang. Ariele Fishbach und Arie Kruglanski von der Universität Chicago. Sie untersuchten, wie nützlich ein Mittel eingeschätzt wird, wenn es einem oder mehreren Zwecken dient. Zum Beispiel nannten Sie für «Tomaten essen» zunächst nur den Zweck «Krebserkrankung verhindern» und liessen dann die Nützlichkeit von «Tomaten essen» einschätzen. Sie fügten dann den Zweck «Degenerative Augenerkrankungen verhindern» hinzu und fragten erneut nach der Nützlichkeit von «Tomaten essen». Paradoxerweise wurde die Nützlichkeit von den Untersuchungsteilnehmenden in Bezug auf zwei Zwecke als deutlich geringer eingeschätzt als für nur einen Zweck.

Die Forscher erklären dieses Ergebnis damit, dass die Verbindung eines Mittels zu einem Zweck geschwächt wird, je mehr verschiedenen Zwecken das Mittel dient. Ganz so als würde man die Stärke einer Freundschaft von einer Person einschätzen, die nur einen «besten» Freund hat, im Vergleich zu einer Person, die eine grosse Gruppe von Freunden hat. Je mehr Freunde eine Person hat, als desto weniger eng würde man wohl die Verbindung zu jeder einzelnen Person aus dem Freundeskreis einschätzen. Bezogen auf die Nützlichkeit von Mitteln für einen bestimmten Zweck bedeutet dies, dass je mehr Zwecken ein Mittel dient, es als desto weniger nützlich eingeschätzt wird.

Als Beispiel nutzt Arie Kruglanski das iPhone: Es kann telefonieren, fotografieren, Musik abspielen, e-mailen, den Weg finden, Videos abspielen und vieles, vieles mehr. Das ist natürlich wunderbar, aber würde man ein iPhone wirklich als ernstzunehmenden Fotoapparat nutzen wollen? Wahrscheinlich nicht, denn es ist eben nicht primär ein Fotoapparat. Es dient also zu vielen Zwecken, um für jeden einzelnen als besonders gut zu gelten. Ob diese Wahrnehmung jedoch richtig ist, steht auf einem ganz anderen Blatt...



Quelle: Zhang, Y. Z., Fishbach, A., & Kruglanski, A. W. (2007). The dilution model: How additional goals undermine the perceived instrumentality of a shared path. Journal of Personality and Social Psychology, 92, 389–401.



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