(Ge-)wichtige Entscheidungen

von Dr. Marie Hennecke


Die Worte «Gewicht» und «Wichtigkeit» haben denselben Wortstamm. So gewichtet man z.B. auch bei Entscheidungen verschiedene Merkmale, die unterschiedlich stark in die Entscheidung eingehen sollen, weil sie unterschiedlich wichtig sind: Bei der Entscheidung zwischen zwei Gebrauchtwagen, mag man z.B. die Farbe der Autos weniger stark «gewichten» als ihren Kilometerstand.

Eine Gruppe von Forschern um Nils B. Jostmann (Universität Amsterdam) konnte nun in verschiedenen Studien zeigen, dass es auch einen psychologischen Zusammenhang zwischen dem abstrakten mentalen Konzept von Wichtigkeit und der körperlichen Erfahrung von Gewicht gibt. In einer Studie mussten die Versuchspersonen z.B. darüber entscheiden, wie wichtig es ihrer Meinung nach sei, dass eine Universitätskommission bei der Vergabe von Stipendien auch die Meinung der Studierenden berücksichtigen würde. Währenddessen trugen die Versuchspersonen ein Papierklemmbrett, das entweder nur 657 g oder über ein Kilogramm wog. Versuchspersonen, die während ihrer Entscheidung das schwerere Klemmbrett in Händen hielten, beurteilten es als wichtiger, dass die Universitätskommission die Studierenden anhöre, als Versuchspersonen die das leichtere Klemmbrett in Händen hielten.

Die Autoren der Studie erklären das damit, dass wir von Geburt an lernen, dass es mehr körperliche Anstrengung erfordert schwere im Vergleich zu leichten Gewichten zu tragen: Parallel dazu gilt, dass wir umso mehr geistige Anstrengung in das Abwägen der verschiedenen Alternativen investieren, je wichtiger eine anstehende Entscheidung ist. Da körperliche Erfahrungen, die wir machen, wenn wir uns mit unserer Umwelt auseinandersetzen, eine Grundlage für die Bildung abstrakter Konzepte (wie der «Wichtigkeit» einer Sache) sind, vermuten die Forscher eine Art «Verkörperung» (engl. Embodiment): Wenn wir während einer Entscheidungsaufgabe auch körperliche Anstrengung erleben, könnte die Entscheidungsaufgabe als wichtiger beurteilt werden. Dies wiederum könnte dazu führen, dass wir mehr geistige Anstrengung in sie investieren.


Quelle: Jostmann, N. B., Lakens, D. & Schubert, T. W. (2009). Weight as an embodiment of importance. Psychological Science, 20, 1169–1174.



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