Lauschangriff aufs Glücklichsein oder wie der Inhalt von Konversationen mit Wohlbefinden zusammenhängen

von Dr. Michaela Knecht


Sprechen Sie in ihrem Alltag gerne über das Wetter, das Essen oder andere alltägliche Dinge? Oder führen Sie lieber tiefgründige Gespräche? Was denken Sie, welche Menschen sind wohl glücklicher? Jene, die in ihrem Leben öfter Smalltalk führen oder jene, die häufiger substanzielle Gespräche führen?

Eine Gruppe von amerikanischen Forschern ist genau dieser Frage nachgegangen. Sie haben untersucht, ob sich glückliche und weniger glückliche Menschen unterscheiden in der Häufigkeit, in der sie Smalltalk oder tiefgründige Gespräche führen.

Personen sind meist ungenau in der Selbsteinschätzung solcher Verhaltensweisen. Daher verwendeten die Forscher eine innovative Methode, um Gespräche direkt zu messen. Sie haben ein kleines tragbares Audioaufnahmegerät entwickelt, das die 79 Studienteilnehmenden während vier Tagen immer tragen mussten. Alle 12.5 Minuten wurden für 30 Sekunden alle Geräusche aufgenommen. Alle Aufnahmen (pro Teilnehmender waren das etwas 300) wurden anschliessend ausgewertet. Es wurde zum einen untersucht, ob die Person allein oder in Gesellschaft war. Falls Gespräche aufgenommen wurden, wurden diese auf ihren Inhalt untersucht und eingeteilt in „Smalltalk“ und „substantielle Konversation“. Über alle Personen gerechnet, waren 17.9% der Konversationen „Smalltalk“ und 35.5% „substantielle Konversation“. Zu Smalltalk zählten z.B. Sätze wie: „Was hast du denn da? Oh Popcorn? Lecker!“. Als substanzielle Konversation wurde z.B. folgender Satz gezählt: „Sie hat sich in deinen Vater verliebt? Haben sie sich dann bald scheiden lassen?“

Zusätzlich wurden die Teilnehmenden in verschiedenen Fragebogen nach Ihrem Wohlbefinden befragt. Um ein umfassenderes Bild zu erhalten, wurden nicht nur die Teilnehmenden selber sondern auch Personen aus dem Umfeld befragt.

Die Resultate zeigten eindeutig, dass glücklichere Personen weniger Zeit alleine verbringen, häufiger mit anderen sprechen, seltener Smalltalk, und häufiger substantielle Gespräche führen. Wenn man die Gruppe der unglücklichsten Menschen mit den glücklichsten Menschen vergleicht, sieht man, dass die Unglücklichen fast dreimal so häufig Smalltalk führten, wie die Glücklichen, jedoch nur halb so oft in substanziellere Gespräche involviert waren.

Alles in allem zeigen die Resultate, dass glückliche Menschen weniger oft allein sind und häufiger tiefgründige Gespräche führen. Kann man jetzt sagen, dass Smalltalk unglücklich macht? So einfach ist das leider nicht. Es kann auch sehr gut sein, dass es glücklichen Menschen einfacher fällt gute Konversationen zu haben und häufiger unter anderen Leuten zu sein. Unglücklichen Menschen fällt dies vielleicht einfach schwerer.

Literaturangaben:
Mehl, M. R., Vazire, S., Holleran, S. E., & Clark, C. S. (2010). Eavesdropping on Happiness Well-Being Is Related to Having Less Small Talk and More Substantive Conversations. Psychological Science, 21(4), 539–541.

Bitte beachten Sie, dass diese Studie nicht in unserem Labor durchgeführt wurde. Wenn Sie an einer Studie in unserem Labor teilnehmen möchten, finden Sie dazu hier weitere Informationen.
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