Die Einstellung gegenüber dem Home Office ist entscheidend für das Wohlbefinden und die Arbeitsproduktivität

von Laura Schmid

Die Covid-19 Pandemie hat zu vielen Veränderungen in unserem Alltag geführt. Neben der Maskenpflicht und der fortbestehenden Regel, Abstand zu halten, hat sich auch das Arbeitsleben in grossem Ausmass verändert. Während einige mit einer kurzbevorstehenden oder definitiven Insolvenz rechnen, arbeiten andere von zuhause und wechseln von einem virtuellen Meeting zum nächsten. Von zuhause arbeiten, das auch als Home Office bezeichnet wird, ist in aller Munde und wird an manchen Stellen als die neue Normalität angesehen. Während einige Mitarbeitende den Wechsel ins Home Office begrüssen, kämpfen andere mit negativen Empfindungen wie mangelnde Konzentration oder das Gefühl von Einsamkeit.

Doch welche Faktoren ermöglichen einen erfolgreichen Wechsel ins Home Office? Dieser Frage sind die Forschende Lauren C. Howe und Jochen I. Menges der Universität Zürich während der ersten Welle der Pandemie in der Schweiz nachgegangen. Einer von vielen Faktoren, die dazu beitragen könnte, wäre die Einstellung oder die Denkweise gegenüber dem Arbeiten von zuhause. Personen, welche das Arbeiten von zuhause als eine Fähigkeit wahrnehmen, die erlernbar ist, verfügen über eine wachstumsorientierte Denkweise. Im Englischen ist dies auch bekannt unter dem Begriff growth mindset. Personen, die davon ausgehen, dass man entweder für das Home Office geeignet ist oder nicht, verfügen über eine starre Denkweise, auch bekannt als fixed mindset.

Die Forschende sind davon ausgegangen, dass Mitarbeitende mit einem fixed mindset mehr Schwierigkeiten mit dem Arbeiten von zuhause haben. Sie sind davon ausgegangen, dass sich dies in deren Wohlbefinden und Arbeitsproduktivität widerspiegeln wird. Diese Annahmen wurden in einer fünf-wöchigen Studie, die während der ersten Welle der Pandemie in der Schweiz stattfand, untersucht. Hierzu wurden 113 Mitarbeitende, die sich im Home Office befanden, wöchentlich zu ihrer Denkweise, ihrem Wohlbefinden und ihrer Arbeitsproduktivität befragt.

In dieser Studie konnte festgestellt werden, dass Personen mit einem fixed mindset gegenüber dem Home Office im Lock-down häufig schlechter gestimmt waren und seltener guter Stimmung waren. Personen, die häufiger schlecht gelaunt waren, fühlten sich auch bei ihrer Arbeit weniger produktiv. Im Gegensatz dazu hatte eine verringerte Wahrnehmung von guter Stimmung keinen Einfluss auf die Arbeitsproduktivität.

Die Forschungsbefunde weisen darauf hin, dass die Denkweise gegenüber dem Home Office einen entscheidenden Einfluss auf das Wohlbefinden und die wahrgenommene Arbeitsproduktivität von Mitarbeitende hat. Damit in Zukunft Mitarbeitende mit einem fixed mindset gegenüber dem Home Office, mit der neuen Situation besser klar kommen, wird geraten, dass grosse Firmen und Konzerne, welche das Home Office betreiben, darauf achten, Strategien auszuwählen, welche das growth mindset fördern. Eine mögliche Strategie wäre die Mitarbeitende darin zu coachen, dass es sich beim Arbeiten von zuhause um eine Fähigkeit handelt, die erlernbar ist. Beispielsweise könnten die Mitarbeitende sich jede Woche aufschreiben, was sie über das Arbeiten von zuhause Neues gelernt haben.

Das Fördern eines grothw mindset ist eine sinnvolle Unterstützung für Mitarbeitende in dieser neuen Situation und hat auch einen Vorteil für die Firmen und Konzernen, indem diese dadurch über zufriedene und produktive Mitarbeitende im Home Office verfügen.

 

 

Literatur

Howe, L. C., & Menges, J. I. (2020). Mindsets about remote work predict employee well-being in home office: Evidence from the COVID-19 pandemic. https://www.microsoft.com/en-us/research/uploads/prod/2020/07/NFW-21-Howe-Menges.pdf


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