Weil ich es mir wert bin... Wie Selbst-Bestätigung uns dabei hilft, mit negativen Gesundheitsinformationen umzugehen

Von Dr. Kathrin Krause


Die meisten Menschen wissen, dass es wichtig ist, medizinische Vorsorgeuntersuchungen vornehmen zu lassen, weil sie so ihre Chance erhöhen, Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen. Aus Angst etwas Negatives über die eigene Gesundheit zu erfahren, meiden jedoch viele wiederum den Gang zum Vorsorgecheck. Was ist der Grund für diesen Gegensatz und wie kann man ihm entgegenwirken?

Menschen tendieren dazu, Informationen zu meiden, die ihrer Weltanschauung, ihrer Art zu handeln oder ihren Wünschen widersprechen. Je bedrohlicher die Information für die Person ist, umso stärker wird sie abgelehnt. Die Forschung beruft sich hier auf die Selbstbestätigungs-Theorie (zu englisch: „Self-affirmation Theory“) die besagt, dass Menschen danach streben einen globalen Selbstwert und Integrität zu erhalten.

Wenn Informationen den globalen Selbstwert einer Person erschüttern, beispielsweise dadurch, dass sie wohlmöglich als ernsthaft erkrankt diagnostiziert werden könnte, tendiert sie üblicherweise dazu, diese Information abzulehnen oder die Quelle der Information zu meiden. Bisherige Forschung zeigt, dass Selbst-Bestätigung Menschen dabei hilft, potentiell bedrohliche Informationen in Bezug auf die eigene Gesundheit zu akzeptieren und sogar dazu beitragen kann, gesundheitsförderlichen Verhalten zu stärken. Eine mögliche Erklärung ist, dass Selbst-Bestätigung die Bedrohung des Selbst durch die negativen Gesundheitsinformationen reduziert.

In drei Studien haben die Forscher Jennifer Howell und James Shepperd untersucht, ob eine Bestätigung des Selbstwertes der Personen auch dazu führt, dass sie das Risiko eine negative medizinische Rückmeldung zu erhalten weniger meiden. Die Forscher basieren ihre Annahme auf dem Befund, dass Personen eine Handlung oder Situation dann besonders meiden, wenn sie ihren Selbstwert bedroht. Stärkt man den Selbstwert so können Personen mit solchen Bedrohung besser umgehen so die Annahme der Forscher.

In einer ihrer drei Studien haben Howell und Shepperd diesen Zusammenhang folgendermassen untersucht:

Zunächst teilten sie die Studienteilnehmer in zwei Gruppen ein. Dann wurden die Teilnehmer beider Gruppen gebeten, eine Liste von Eigenschaften aufzuschreiben, die für ihr eigenes Selbst-Konzept von besonderer Bedeutung waren um dann die Eigenschaft auszuwählen, die sie für sich am Wichtigsten hielten. Im Anschluss schrieben die Personen der einen Gruppe einen kurzen Text über eine Situation, in der sie selbst diese Eigenschaft erfolgreich unter Beweis gestellt hatten (Selbst-Bestätigungs-Bedingung). Die Personen der anderen Gruppe beschrieben eine Situation, in der eine gute Freundin oder ein guter Freund diese Eigenschaft erfolgreich unter Beweis gestellt hatte (Kontroll-Bedingung).

Im Anschluss an diese Aufgabe sahen alle Teilnehmenden ein Video, welches von einer fiktiven Krankheit handelte, an der bis zu 20% aller Menschen erkrankt sind ohne es zu merken. Nach diesem Video füllten die Teilnehmenden einen Fragebogen aus, der angeblich erfasste, wie hoch das eigene Risiko sei, wohlmöglich selbst im Laufe ihres Lebens zu erkranken. Die Teilnehmenden konnten im Anschluss entscheiden, ob sie das Resultat des Risikofragebogens erfahren wollten oder nicht. Es zeigte sich, dass Personen, die die Selbst-Bestätigungs-Manipulation erhalten hatten, signifikant weniger häufig ablehnten, ihr Risikoresultat zu erfahren (16% Ablehnung vs. 55% Ablehnung in der Kontrollgruppe). Die Forscher interpretieren dies als ersten Beleg dafür, dass Selbst-Bestätigung dazu beiträgt, die Ablehnung potentiell negativer Information zu verringern.

In zwei weiteren Studien fanden die Forscher, dass Selbst-Bestätigung ebenfalls hilft, Personen zu aufwendigeren Massnahmen bezüglich der eigenen Gesundheit zu motivieren. Des Weiteren wird dadurch die Bereitschaft erhöht, sich einer möglicherweise negativen Gesundheitsinformation zu stellen, auch wenn dabei die Konsequenzen unkontrollierbar wären. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Ergebnisse einen grossen praktischen Nutzen haben könnten, wenn die Bestätigung des einzelnen dazu genutzt würde, besseren Erfolg in der Vorsorge und damit ein geringeres Risiko der Gesundheit zu gewährleisten.


Quelle: Howell, J. L., & Shepperd, J. A. (2012). Reducing information avoidance through affirmation. Psychological Science, 23, 141-145.

Bitte beachten Sie, dass diese Studie nicht in unserem Labor durchgeführt wurde. Wenn Sie an einer Studie in unserem Labor teilnehmen möchten, finden Sie dazu hier weitere Informationen.