Der «Ausgabeneffekt» bei jüngeren und älteren Erwachsenen

von Dr. Sebastian Horn

 

«When you find yourself in a hole, the best thing you can do is stop digging»
(Warren Buffet; US-amerikanischer Unternehmer)

 

Vielleicht kennen Sie folgende Situation auch: Sie sitzen im Konzert oder Theater und finden die Vorstellung schon eine ganze Weile ziemlich schlecht und langweilig. Trotzdem bleiben Sie sitzen, denn Sie haben viel Geld für die Eintrittskarten ausgegeben. Wäre das nicht der Fall gewesen, dann hätten Sie den Ort vielleicht schon längst verlassen. Der sogenannte «Ausgabeneffekt» (englisch: sunk-cost effect) bezeichnet das Phänomen, dass Menschen an Entscheidungen eher festhalten, je mehr Ausgaben sie bereits dafür getätigt haben.

Aus normativ-ökonomischer Perspektive hingegen sollten sich Entscheider nur an den künftigen Konsequenzen orientieren, wenn die bisherigen Ausgaben sowieso irreversibel sind. Wissenschaftlerinnen von der West Virginia Universität in den U.S.A. haben untersucht, ob und wie sich dieser «Ausgabeneffekt» mit zunehmendem Alter verändern könnte. Dazu haben sie jüngeren Erwachsenen (durchschnittliches Alter: 20 Jahre) und älteren Erwachsenen (durchschnittliches Alter: 74 Jahre) mehrere Beschreibungen von Szenarien vorgelegt, die sich nur darin unterschieden, ob vorher bereits Ausgaben getätigt wurden oder nicht. Zum Beispiel wurde folgendes Szenario beschrieben: «Sie haben 10.95 Dollar bezahlt um einen Film im Pay-TV Programm zu sehen. Nach 5 Minuten sind sie gelangweilt und der Film scheint ziemlich schlecht zu sein.» In einer anderen Variante des Szenarios wurde einfach der Teil mit den Ausgaben von 10.95 Dollar weggelassen. Die Versuchspersonen gaben dann jeweils Urteile ab, wie lange sie noch weiterhin bereit wären, den Film zu schauen. Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass sich ältere Erwachsene bei ihren Urteilen weniger als jüngere Erwachsene von ihren vergangenen Ausgaben beeinflussen lassen. Möglicherweise tendieren also Menschen im höheren Erwachsenenalter dazu, weniger über vergangene Verluste nachzudenken, auf die man ohnehin keinen Einfluss mehr hat.

 

Literatur:

Strough, J., Mehta, C. M., McFall, J. P., & Schuller, K. L. (2008). Are older adults less subject to the sunk-cost fallacy than younger adults? Psychological Science, 19, 650-652.

 

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