Attraktivität von Frauen: Welche Rolle spielt die Farbe der Kleidung?

von Oliver Kaftan


Farben haben einen grossen Einfluss darauf, wie wir die Attraktivität von anderen einschätzen. In der bisherigen psychologischen Forschung stellte sich dabei die Farbe Rot als besonders bedeutsam heraus. Männer beispielsweise bewerten eine Frau als attraktiver, wenn sie ein rotes T-Shirt trägt und sind bereit, mehr Geld bei einer Verabredung mit einer rotgekleideten Frau auszugeben. Wie lässt sich diese starke Wirkung der Farbe Rot erklären?

Rot scheint sich nicht direkt auf die wahrgenommene Attraktivität auszuwirken, sondern indirekt über eine höhere Einschätzung der sexuellen Bereitschaft bzw. Empfänglichkeit. Dafür lassen sich zahlreiche gesellschaftliche als auch physiologische bzw. biologische Gründe anführen. Gesellschaftlich etwa wird die Farbe Rot häufig mit weiblicher Sexualität assoziiert (z.B. Rotlichtmilieu, Damenunterwäsche, Kosmetika). Physiologisch entsteht bei Frauen, die sexuell erregt sind, eine Rötung im oberen Brustbereich, am Nacken und im Gesicht. Hinzu kommt, dass die Haut von Frauen während des Zeitraums der höchsten Fruchtbarkeit im Zyklus ein wenig heller wird, was ein Erröten besser sichtbar macht. Ihre Fruchtbarkeit „signalisieren“ Frauen aber auch direkt mit einer Verhaltensänderung, zumal sie während dieser Tage eher dazu neigen, rote Kleidungsstücke zu tragen.

Interessanterweise zeigte eine vor wenigen Jahren veröffentlichte Studie allerdings, dass schwarze Kleidung ebenfalls die wahrgenommene Attraktivität fördert. Genauer gesagt bewerteten Männer dieselben Frauen in schwarzen T-Shirts als attraktiver als in grünen, gelben oder weissen T-Shirts, aber als genau gleich attraktiv wie Frauen in roten T-Shirts.

Dieser Befund lässt sich natürlich nicht mit derselben Erklärung wie bei der Farbe Rot nachvollziehen, denn physiologisch bzw. biologisch scheint es keine Verbindung zwischen schwarzer Färbung und sexueller Bereitschaft zu geben: Frauen „erschwarzen“ nicht wenn sie erregt sind, sondern sie erröten. Folglich müsste die Farbe Schwarz über einen anderen Weg das Attraktivitätsurteil von Männern positiv beeinflussen als über das Signalisieren von sexueller Bereitschaft. Genau um diesen anderen Weg ging es in der Studie von Adam D. Pazda (Universität Rochester) und seinen Kollegen. Die Forscher argumentierten dabei wie folgt:

Schwarz gilt zum einen als sehr elegante Farbe. Sie ist die prototypische Farbe für die Abendgarderobe (z.B. „das kleine Schwarze“) und wird an Anlässen mit rotem Teppich getragen. Auf Datingseiten ist es die von Frauen am häufigsten getragene Farbe und noch so neue Farbtrends konnten der Farbe Schwarz bis anhin nichts anhaben – Schwarz ist immer modisch! Zum anderen ist aus der Forschung bekannt, dass das Tragen von trendiger, modischer Kleidung mit Attraktivität in Verbindung steht.

Damit sollten also – so die Vermutung der Forscher – die Farben Rot und Schwarz gleich stark die wahrgenommene Attraktivität beeinflussen, aber auf unterschiedliche Art und Weise: Schwarz gekleidete Frauen müssten in einem ersten Schritt als modischer wahrgenommen werden und in einem zweiten Schritt deshalb auch als attraktiver. Rot gekleidete Frauen dagegen sollten in einem ersten Schritt als empfänglicher für Sex wahrgenommen werden und in einem zweiten Schritt deshalb als attraktiver. Um noch eine neutrale Vergleichsbedingung zu haben, untersuchten die Forscher zusätzlich den Effekt der Farbe Weiss.

Die Forscher teilten zur Testung ihrer Annahmen insgesamt 361 hetero- und bisexuelle unverheiratete Männer im Alter von 18 bis 35 Jahren in drei Bedingungen ein. Allen drei Gruppen wurde genau dieselbe junge Frau auf einem Foto gezeigt. In der ersten Bedingung trug sie jedoch ein rotes, in der zweiten ein schwarzes und in der dritten ein weisses knielanges Kleid. Danach bewerteten die Versuchspersonen, wie empfänglich die Frau ihrer Meinung nach für Sex ist (z.B. „Sie ist an Sex interessiert“). Ferner erfragten die Forscher auf verschiedene Weisen, wie modisch und attraktiv sie die Frau finden.

In der Tat bestätigte sich in einem ersten Schritt die Annahme der Autoren, dass Männer die Frau im roten Kleid als empfänglicher für Sex wahrnahmen als die Frau im schwarzen und weissen Kleid. In einem zweiten Schritt bestätigte sich, dass die Frau als umso attraktiver bewertet wurde, je empfänglicher sie gemäss der Urteile der Teilnehmer für Sex war.

Ferner zeigte sich, dass Männer die Frau im schwarzen Kleid in einem ersten Schritt als modischer wahrnahmen als die Frau im weissen Kleid. Entgegen der Vermutung der Autoren zeigte sich hingegen auch, dass sie die Frau in Rot als modischer wahrnahmen als wenn sie Weiss trug. In einem zweiten Schritt bestätigte sich, dass die Frau als attraktiver eingeschätzt wurde, wenn sie die Männer modischer fanden.

Die vermuteten indirekten Zusammenhänge schliesslich bestätigten sich insbesondere für die Farbe Schwarz: Schwarz erhöhte die wahrgenommen Attraktivität der Frau nur dann, wenn Männer sie als modischer bewerteten. Wurde sie nicht als modischer bewertet, war sie in Schwarz gleich attraktiv wie in Weiss. Als sie hingegen das rote Kleid trug, dachten die Teilnehmer, sie sei empfänglicher für Sex und deshalb auch attraktiver. Zudem schätzten die Männer die Frau in Rot jedoch auch dann als attraktiver ein als in Weiss, wenn sie diese in Rot nicht als empfänglicher für Sex bewerteten, was für einen zusätzlichen direkten Effekt der Farbe Rot spricht.

Auch wenn ein rotes und schwarzes Kleid also schlussendlich dieselbe Wirkung auf Attraktivitätsurteile von Männern haben können, entfalten sie diese Wirkung auf unterschiedliche Art und Weise.

Die Tatsache, dass die Frau im Schwarzen an sich doch nicht als attraktiver angesehen wird als im Weissen, liesse sich dadurch erklären, dass sie zwar modischer und deshalb attraktiver wirkt, Schwarz aber gleichzeitig die wahrgenommene Attraktivität negativ beeinflusst. Mögliche Gründe dafür sind, dass Helligkeit im Allgemeinen positiv bewertet wird, Dunkelheit dagegen negativ konnotiert ist. Studien zeigen ausserdem, dass Menschen Schwarz mit Aggressivität assoziieren – einem Merkmal also, das der Attraktivität abträglich ist.

Quelle:
Pazda, A. D., Elliot, A. J., & Greitemeyer, T. (2014). Perceived sexual receptivity and fashionableness: Separate paths linking red and black to perceived attractiveness. Color Research & Application, 39, 208–212.

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