Nach der Arbeit abschalten!

von Dr. Michaela Knecht


Viele von uns erleben in ihrer Arbeit hohe Belastungen. Zeitdruck, grosse Arbeitsmengen, Erreichbarkeit rund um die Uhr und extreme Flexibilität sind nur einige Beispiele dafür. Kein Wunder schlägt sich das auf unser Gemüt, wie zahlreiche Studien zeigen. Wir sind emotional erschöpft, wenig motiviert und leiden sogar unter Schlafproblemen, Magenschmerzen oder Kreislaufproblemen. Natürlich wäre es schön, weniger zu arbeiten. Aber das ist oft schlicht nicht möglich. Kann man also nichts dagegen tun?

Doch, finden Sabine Sonnentag und ihre Kollegen. Abschalten! Nach Feierabend, am Wochenende und in den Ferien sich nicht mit der Arbeit zu beschäftigen, also nicht weiterzuarbeiten und auch nicht über die Arbeit nachzudenken kann helfen, so ihre Vermutung. Indem man die Arbeit hinter sich lässt und sich mit etwas ganz anderem beschäftigt, kann man sich besser erholen. Das Nachdenken über die Arbeit in der Freizeit kostet dagegen Energie und verunmöglicht gute Erholung.

Um ihre Vermutung zu prüfen, befragten die Forscher über 300 Angestellte aus dem Dienstleistungssektor im Abstand von einem Jahr zu Arbeitsbelastung und Wohlbefinden. Wenig überraschend führte hohe Arbeitsbelastung über die Zeit zu emotionaler Erschöpfung, mehr psychosomatischen Beschwerden und geringerem Engagement bei der Arbeit. Das war aber nicht bei allen so. Je besser es den Angestellten gelang, nach der Arbeit abzuschalten, desto weniger negative Folgen erlebten sie und desto mehr blieben sie engagiert, trotz hoher Arbeitsbelastung. Es scheint also, dass es bis zu einem gewissen Grad egal ist, wie belastet wir in der Arbeit sind, solange wir am Abend die Gedanken an die Arbeit hinter der Bürotür lassen.

Das ist natürlich einfacher gesagt als getan. Wir verfügen über keinen Schalter, den wir nach der Arbeit einfach drehen könnten. Und doch können wir einiges tun. Das Abschalten gelingt beispielsweise am besten, wenn man sich in der Freizeit mit etwas beschäftigt, was die volle Aufmerksam erfordert, so die Forscher. Egal ob Sie lieber Sport treiben, im Chor singen oder ausgeklügelte Menüs kochen. Hauptsache, Sie sind voll dabei. Ausserdem kann es hilfreich sein, eine klare Grenze zwischen Arbeit und Privatleben zu ziehen. Wenn Sie also wieder Freude an der Arbeit haben wollen, dann lassen Sie den Smartphone am Wochenende ausgeschaltet und an den Computerbildschirm kleben Sie „Ich bin dann mal weg“.

Das sollte übrigens auch Ihren Arbeitgeber freuen, denn gut erholt können Sie mehr leisten. Das ist aber eine andere Geschichte...

Quelle: Sonnentag, S., Binnewies, C., & Mojza, E. J. (2010). Staying well and engaged when demands are high: The role of psychological detachment. Journal of Applied Psychology, 95, 965-976.

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