Motivationspsychologie

Gegenstandsbereich der Motivationspsychologie   

Die Motivationspsychologie ist ein Grundlagenfach der Psychologie. Sie verfügt über eine Vielzahl an elaborierten Theorien. Gegenstand einer motivationspsychologischen Analyse ist zielgerichtetes Verhalten. Die Motivationspsychologie befasst sich damit, Richtung, Ausdauer und Intensität von Verhalten zu erklären. Dabei ist die motivationspsychologische Perspektive dadurch charakterisiert, dass angestrebte Zielzustände und das was sie attraktiv macht, die erklärenden Größen sind. Neben der Analyse allgemein geltender Prinzipien des Zielstrebens (allgemeinpsychologische Perspektive) werden auch interindividuelle Unterschiede beim Zielstreben untersucht (differentialpsychologische Perspektive). Motivationspsychologen suchen beispielsweise Antworten auf folgende Fragen: Was veranlasst Menschen, bestimmte Ziele anzustreben? Was verleiht Zielen ihre Bedeutung? Wovon hängt es ab, dass eine Person trotz wiederholter Rückschläge ausdauernd ein Ziel verfolgt? Wie lässt sich erklären, dass Menschen manchmal an unerreichbaren oder unattraktiven Zielen festhalten?

Die Motivationspsychologie als empirische Wissenschaft  

Die Motivationspsychologie ist eine empirische Wissenschaft, also eine Disziplin, deren theoretische Ansätze auf Faktenbeobachtungen beruhen und durch diese überprüft werden (Der Begriff „Empirie“ kommt aus dem Griechischen und meint den Gewinn von Erkenntnissen, die auf Erfahrungen beruhen). Die für die Motivationspsychologie wohl bedeutendste empirische Forschungsmethodik ist das experimentelle Vorgehen. Das Experiment dient der Analyse von Ursache-Wirkungsbeziehungen und beruht auf dem einfachen Grundprinzip, die vermutete Ursache planmässig zu variieren, während alle anderen potentiellen Einflussvariablen konstant gehalten werden, und daraufhin die von der Variation abhängigen Auswirkungen zu beobachten. Neben dem Experiment bedient sich die motivationspsychologische Forschung einer Reihe weiterer empirischer Methoden, wie beispielsweise der Verhaltensbeobachtung und der Befragung.

Die Verknüpfung mit anderen Grundlagen- und Anwendungsdisziplinen  

Die Motivationspsychologie bietet Anknüpfungspunkte an alle Teildisziplinen der psychologischen Grundlagenforschung (Kognitions- psychologie, Emotionspsychologie, Lernpsychologie, Entwicklungspsychologie, Sozialpsychologie, Persönlichkeitspsychologie). Ein Bezug zur Kognitionspsychologie besteht beispielsweise mit ihren Fragestellungen zu motivationalen Determinanten bei der Aufnahme und Verarbeitung von Informationen. Ein weiteres Beispiel ist die Messung interindividueller Motivunterschiede, mit der die Motivationspsychologie ein klassisches Terrain der Differentiellen Psychologie betritt. Die Motivationspsychologie ist zudem ein Grundlagenfach mit hoher Anwendungsrelevanz. Motivationspsychologische Konzepte sind u.a. relevant im Kontext der Organisationspsychologie (z.B. Arbeitsmotivation und Arbeitszufriedenheit), der Pädagogischen Psychologie (z.B. Lernmotivation und Leistungsverhalten), der Klinischen Psychologie (z.B. Compliance in der Psychotherapie) und der Gesundheitspsychologie (z.B. Motivation zu gesundheitsförderlichem Verhalten).