Projekt Sauberer Irchelpark

Haben Sie schon einmal Abfall nicht ordnungsgemäss entsorgt? Warum taten Sie das? Was meinen Sie, warum tun das andere Personen?

Sie ahnen es: Kaum jemand sagt, er oder sie lässt Abfall einfach auf dem Boden liegen. Wer das doch tut, kann keinen Grund angeben. Abfall liegen zu lassen macht man nicht mit einem Vorsatz - es geschieht einfach. Ist es 'schlechte Erziehung', 'Unvertrautheit mit unserer Kultur', 'Bequemlichkeit'? Mit diesem Projekt wollen wir die tatsächlichen Ursachen der Verschmutzung des Irchelparks aufspüren und hier geben wir zu diesem Projekt einen Überblick.

Littering im Irchelpark 01

Hintergrund

Littering, das Wegwerfen oder Liegenlassen kleiner Mengen Siedlungsabfall, ohne dabei die bereitstehenden Entsorgungsstellen zu benutzen (www.bafu.admin.ch), ist ein allgegenwärtiges und globales Problem, das erhebliche finanzielle, soziale und ökologische Probleme mit sich bringt. Wie andere Erholungsräume ist auch der Irchelpark von diesem Problem betroffen. Über die Ursachen ist erstaunlich wenig bekannt, da sich dieses Verhalten nur schwer untersuchen lässt. Daher entschieden wir uns dazu den Ursachen auf den Grund zu gehen.

Angestossen wurde das Projekt vom Nutzungsmanagement Campus Irchel der Universität Zürich (Dr. Barbara Degenhardt). Das Projekt wurde als Masterarbeit am Lehrstuhl Sozialpsychologie am Psychologischen Institut der Univerisität Zürich unter Betreuung von Dr. Robert Tobias durchgeführt. Dabei erhielten wir die freundliche Unterstützung vom Betriebsdienst Irchel und der Abteilung Sicherheit und Umwelt der Universität Zürich. Das Projekt wurde von der Stadt Zürich, dem Rektoratsdienst der Universität Zürich und der Ethik Kommission der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich genehmigt.

Ziele und Umsetzung

Ziel des Projektes war es, die psychologischen Prozesse zu identifizieren, welche hauptsächlich dazu beitragen, dass der Irchelpark durch Picknick-Abfälle verschmutzt wird bzw. welche in zukünftigen Kampagnen angesprochen werden müssten. Dazu wurden an verschiedenen Stellen im Irchelpark zu verschiedenen Zeitpunkten Plakate mit unterschiedlichen Inhalten aufgestellt.

Parallel dazu wurde von Anfang Mai bis Ende September 2019 erhoben, wie viel Abfall nicht ordnungsgemäss entsorgt wurde und wie viel Abfall insgesamt entsorgt wurde. Ebenfalls fanden in diesem Zeitraum Befragungen von Parkbesuchenden statt. Der kurze Fragebogen lieferte dabei wertvolle Hinweise darauf, wie die Besuchenden die Situation und die Plakate wahrnehmen.

Aus den Unterschieden des relativen Anteils nicht-ordnungsgemäss entsorgten Abfalls konnte ermittelt werden, welche psychologischen Faktoren besonders viel Einfluss auf das Littering-Verhalten haben. Daraus wurden Empfehlungen für zukünftige Massnahmen abgeleitet.

Resultate

Im Sommer 2019 wurde im Irchelpark eine Studie zur Untersuchung von psychologischen Mechanismen, welche hinter dem Littering-Verhalten stehen, durchgeführt. Dabei wurden sechs psychologische Massnahmen in Form von Plakaten und eine strukturelle Massnahme (Container zur Trennung Karton vs. Abfall) zur Reduktion des Litterings entworfen und eingesetzt. Die Massnahmen konnten ohne Probleme umgesetzt werden. Die Plakate hielten der Witterung stand, wurden nicht zweckentfremdet und waren, von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht von Vandalismus betroffen.

An 119 Tagen wurde das Volumen von unsachgemäss entsorgtem Abfall gemessen und 773 Park-Besuchende wurden befragt. Die BDI-Mitarbeitenden zeichneten eine subjektive Einschätzung des Litterings und die Anzahl an geleerten Abfallcontainer pro Reinigungs-Rundgang auf. Weiter wurden Karton-Messungen bei den Containern beim Eingang Lernzentrum Strickhof durchgeführt. Die Messungen stiessen auf keinerlei Widerstand durch Parkbenutzende und wurden eher sogar begrüsst.

Das gemessene Littering und die Anzahl geleerter Container hat im Laufe des Sommers abgenommen. Kleine Teile, wie Snack-Verpackungen, Papierchen, Deckel und Zigarettenstummel waren die häufigste Form von Littering. Die Möglichkeit, Karton getrennt vom restlichen Abfall zu sammeln, wurde mit hoher Trenn-Disziplin benutzt.

Das Littering war in Zonen mit Plakaten schätzungsweise 28 % (minus 834 l) geringer als in Zonen und Phasen ohne Plakate. Trotzdem ergaben sich keine statistisch signifikanten Effekte, was auf das im Sommer 2019 allgemein geringe Ausmass von Littering im Irchelpark zurückgeführt werden könnte. Die stärksten Effekte zeigten Plakate mit emotionsbezogenen Botschaften, nämlich ein Plakat ohne sachliche Information, welche auf lustige Art auf das Vermeiden von Littering hinweist, und ein Plakat, welches dem Problem des Ekels bei der Abfallentsorgung entgegenwirkt. Auch ein Bezug auf Gegenseitigkeit zeigte tendenziell stärkere Wirkung.

Der Irchelpark wurde als sehr sauber und die Entsorgungsinfrastruktur als gut beurteilt, was die hervorragende Arbeit der BDI-Mitarbeitenden und die hohe Bereitschaft der Parknutzenden, den Abfall ordnungsgemäss zu entsorgen, reflektiert. Mögliche Verbesserung wären Behälter zum getrennten Entsorgen verschiedener Abfall Fraktionen und an stark frequentierten Sommertagen zusätzliche Abfallbehälter und Leerungen, um das Zerstreuen von Abfall durch Tiere zu verhindern.

Häufig gestellte Fragen

Wer bezahlt das Projekt?
Zur Vorbereitung des Projekts stand ein minimales Budget vom Nutzungsmanagement Campus Irchel der Universität Zürich zur Verfügung. Die Betreuung der Masterarbeit sowie die Unterstützung des Projekts durch den Betriebsdienst Irchel und die Abteilung Sicherheit und Umwelt erfolgt im Rahmen von Anstellungen an der Universität Zürich. Alle anderen Aufwände werden unbezahlt im Rahmen einer Masterarbeit und Praktika geleistet.

Warum (nur) der Irchelpark?
Unsere finanziellen und personellen Ressourcen reichen für eine Untersuchung in einem klar abgegrenzten Gebiet. Da der Irchelpark als grosser naturnaher Landschaftspark von der Universität Zürich verwaltet wird, ist die Umsetzung des Projekts hier einfacher als anderswo. Insofern nimmt das Projekt Sauberer Irchelpark die Rolle eines Pilotprojektes für die von der Universität Zürich verwalteten Grünflächen und Parkanlagen ein.

Warum nur Picknick-Abfälle?
Die Verschmutzung des Irchelparks hat viele Formen. Neben den täglichen Picknick-Abfällen fallen auch die Spuren nächtlicher Parties und wildes Deponieren von Hausmüll und Bauschutt ins Gewicht. Weniger augenfällig dafür aber umso problematischer sind auch Zigarettenstummel. Jede dieser Formen der Verschmutzung des Irchelparks verdient eine eigene Betrachtung, doch mussten wir aus Ressourcengründen den Fokus auf einen Aspekt legen. Insbesondere da sich Picknick-Abfälle vergleichsweise einfach erfassen lassen, konzentrieren wir uns auf diese.

Was passiert mit dem Karton, der separat gesammelt wird?
Beim Strickhof wurde ein Container eigens für Karton aufgestellt. Der dort gesammelte Karton kann aber leider nicht dem Recycling zugeführt werden, sondern wird mit dem anderen Abfall zusammen entsorgt. Daher ist es auch unproblematisch, wenn hier stark verschmutzter Karton entsorgt wird. Mit dieser versuchsweise getrennten Sammlung von Karton wollen wir abklären, inwiefern so eine Option von den Besuchenden genutzt würde. Denn ein Entsorgungssystem einzurichten und zu betreiben, welches Abfallfraktionen getrennt sammelt und dem Recycling zuführt, ist extrem aufwändig. Die getrennte Entsorgung des Kartons ist also nicht unmittelbar ein Gewinn für die Nachhaltigkeit, kann aber auf längere Sicht dazu beitragen.

Was soll ein Plakat, dass man Abfall nur in Abfallbehältern entsorgen soll, neben einem überquellenden Abfalleimer?
In der Tat kann es an Tagen, welche zum Picknick einladen, zu Engpässen bei der Entsorgung kommen. Einzelne Abfallbehälter sind dann voll und können nicht mehr benutzt werden. Dennoch ist es auch dann wichtig, den Abfall nicht einfach neben oder auf den Abfallbehälter zu legen, sondern den Abfall in einem anderen Behälter zu entsorgen. Meist hat es nur wenige Gehminuten von einem vollen Abfalleimer entfernt einen Container, der noch Fassungsvermögen hat. Und sollten wirklich alle Abfallbehälter voll sein, hat der Park seine Kapazitätsgrenze erreicht und es liegt in der Verantwortung der Besuchenden, den Abfall wieder mit zu nehmen und z.B. zu Hause zu entsorgen.

Littering im Irchelpark 02