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Psychologisches Institut Klinische Psychologie und Psychotherapie

Einfluss von genereller Stressanfälligkeit auf die psychoneuroendokrine Stressreaktivität

Projektleitung: PD Dr. phil. J. Gaab & Prof. Dr. U. Ehlert
Projektmitarbeiter: Hammerfald, K.
Projektlaufzeit: 2001 - 2003

Obschon der Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsvariablen und der Ausschüttung von Cortisol gut be-forscht ist, war es bisher unmöglich, konsistente Befunde zu erzielen.
Diese Studie evaluierte den Einfluss des Persönlichkeitsmerkmals Stressanfälligkeit auf die endokrine Stressre-aktion in einer akuten psychosozialen Stresssituation an gesunden jungen Probanden. 41 nicht-rauchende männ-liche Studierende ohne akute oder chronische somatische bzw. psychische Erkrankungen unterzogen sich dem Trierer Sozialen Stress Test (TSST), einem standardisierten psychosozialen Stresstest. Der 10-minütige Test setzt sich zusammen aus einem simulierten Vorstellungsgespräch und einer anschliessenden Rechenaufgabe vor einem Gremium.
Neben kognitiven Bewertungsprozessen innerhalb der Stresssituation (PASA) wurden Kompetenz- und Kon-trollüberzeugungen (FKK) und das Ausmass genereller Stressanfälligkeit (MESA) erhoben. Die physiologische Stressreaktion wurde mittels acht Speichelcortisol-Proben erfasst.
Regressionsanalysen zeigten, dass die individuelle Stressanfälligkeit einen signifikanten Varianzanteil des insge-samt ausgeschütteten Cortisols (area under response curve AUC) aufklärt (R2 = 0.26). Die Stichprobe wurde anschliessend mittels mediansplit dichotomisiert in Personen mit niedriger vs. Hoher Stressanfälligkeit. Hoch Stressanfällige zeigten eine signifikant höhere endokrine Stressantwort über die Zeit (F (2.70/80.00) = 4.17; p = 0.01; effect size f 2 = 0.28). Wurden primäre kognitive Bewertungsprozesse (Bedrohung & Herausforderung) als Kovariate eingesetzt, verschwanden die beobachteten Unterschiede.
Diese Resultate weisen darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen der individuellen Stressanfälligkeit und stress-induzierter neuroendokriner Aktivität besteht. Ausserdem erscheint es sinvoll, situationspezifische Perso-nenfaktoren wie kognitive Prozesse in Zusammenhangsanalysen einzubeziehen.

Ausgewählte Publikation

  • Hammerfald, K., Schwendimann, B., Ehlert, U., Gaab, J., (2003). Associate between general stress susceptibility and cortisol responses to acute psychosocial stress. American Psychosomatic Medicine, 65/1, A62.