Psychologisches Institut

 

Plastizitäts- und Lernforschung des alternden Gehirns (Prof. Martin Meyer)

Funktionelle Neuroanatomie des alternden Gehirns stellen einen bislang kaum untersuchten Gegenstand dar. Verknüpft sind damit viele elementare Fragen, die bislang nicht durch systematische Langzeitstudien abgedeckt sind. Wie verändert sich das Verhältnis von grauer und weisser Substanz? Ergeben sich altersbedingte Veränderungen, die sich unterschiedlich in primären sensorischen Rindengebieten im Vergleich zu Assoziationskortizes manifestieren? Wie kann man dem Abbau von grauer und weisser Substanz entgegenwirken?

Hörverlust und Schwerhörigkeit sind mit fortschreitendem Alter ein Phänomen, das in immer stärkerem Masse grosse Teile der Bevölkerung berührt. Besonders betroffen ist natürlich die Fähigkeit des Sprachverstehens, aber auch das Sprechen. Derzeitige Interventionen sehen neben der Anpassung von Hörgeräten auch Sprachtraining im Alter vor. Eine Evaluation der Wirksamkeit dieser trainingsbasierten Interventionen bzw. der Entwicklung von Alternativkonzepten, die die akustischen Grundlagen der gesprochenen Sprache besser berücksichtigt, ist ein viel versprechendes Forschungsfeld.

Das chronische Ohrengeräusch (Tinnitus), dessen hirnphysiologischen Ursache und Dynamik zwar ausser Frage steht, aber wird nach wie vor nicht ausreichend verstanden, zumal die subjektive Intensität des chronischen Tinnitus in hohem Masse von psychologischen Variablen moderiert wird und interindividuell variiert. Die geplante Grundlagenforschung zielt darauf ab, neurophysiologisch basierte individuelle Tinnitusprofile betroffener Menschen zu erstellen, um einen Ausgangspunkt für sinnvolle Interventionen zu schaffen.

Das Thema «Spracherwerb und Mehrsprachigkeit» im Alter ist ein bislang weitgehend unerforschtes Gebiet. Interessante Fragestellungen sind die neuroplastischen Grundlagen zum Spracherhalt im Alter, sowie die neuropsychologische Erforschung der Möglichkeiten und Grenzen von Sprachlern- und Erwerbsprozessen in Abhängigkeit von allgemeinen Funktionen des Lernens im Alter. Im Einzelnen bedeutet das Fragen wie: «Gleicht der (Fremd-)Spracherwerb im Alter in Tempo und Beschaffenheit dem Spracherwerb in der Adoleszenz?», «Wie lässt sich ein Automatisierungsgrad beim Spracherwerb im Alter ‹optimieren›?» und «Welchen Einfluss nehmen flankierende Tätigkeiten wie Musizieren oder Sport auf die Spracherwerb und Spracherhalt im Alter?».

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