Moralische Intelligenz
Konzepte wie „emotionale“ oder „soziale Intelligenz“ haben in der Arbeitswelt viel Aufmerksamkeit erhalten. Spätestens seit der Finanz- und Wirtschaftskrise wird von den Unternehmensträgern und -trägerinnen zunehmend erwartet, dass sie in einem Umfeld konfligierender Werte und wettbewerbsintensiver Märkte auch moralisch kompetent agieren.
Wegleitend dafür ist das neue Konzept der „moralischen Intelligenz“, womit die Fähigkeit gemeint ist moralische Probleme in Alltagssituationen zu erkennen und sein Verhalten nach moralischen Standards auszurichten. Das Konzept der Moralischen Intelligenz ist im Bereich der Wirtschaft durch Dough Lennick und Fred Kiehl eingeführt worden. Wir verstehen unter Moralischer Intelligenz ein universelles Konzept, das vergleichbar wie die Emotionale Intelligenz unser Verständnis des menschlichen Verhaltens erweitern soll.
Der Forschungsbereich „Moralische Intelligenz“ gliedert sich in zwei Teile:
Theorie der Moralischen Intelligenz: Ausgehend von aktuellen Forschungen im Bereich Moralpsychologie entwickeln wir derzeit ein Modell von Moralischer Intelligenz, das die Grundfähigkeiten moralischen Handelns abdecken soll.
Instrumente zur Erfassung von Moralischer Intelligenz: Im interdisziplinären Verbund arbeiten wir derzeit an Projektideen zur Entwicklung und Etablierung von Messinstrumenten zur Erfassung verschiedener Facetten von moralischer Intelligenz. Diese Tools sollen sowohl für die Erfassung als auch der Förderung von Moralischer Intelligenz in Aus- und Weiterbildung von Unternehmen eingesetzt werden können.
Dazu kommen folgende weitere Projekte:
- Rolle von Ehrlichkeit in Wirtschaftsentscheidungen
- Ethik und Führung
- Wie wertvoll ist das Bankgeheimnis für Schweizer?
Ausführlichere Informationen zu diesen Projekten finden sich untenstehend.
Anwendung: Ehrlichkeit in Wirtschaftsentscheidungen
In einer interdisziplinären Kollaboration (Psychologie & Ökonomie) untersuchen wir die Rolle von Ehrlichkeit in wirtschaftlichen Entscheidungssituationen (im Fokus sind Management- und Investitionsentscheidungen). In unseren experimentellen Studien variierten wir die (realen) finanziellen Kosten für ehrliches Verhalten oder die sozialen Normen (ob Täuschung in der Situation sozial gebilligt oder nicht gebilligt wird).
Während sich ein Teil der TeilnehmerInnen primär nur dann für ehrliches Verhalten entscheidet, wenn Ehrlichkeit wenig oder gar nichts kostet, finden wir auch eine andere Individuen, die sich der Ehrlichkeit gegenüber verpflichtet fühlen. Diese entscheiden auch dann für ehrliches Verhalten, selbst wenn dies mit persönlichen finanziellen Kosten einhergeht. Generell stellen wir fest, dass sich diese Gruppe in geringerem Masse von finanziellen Anreizen und externen sozialen Normen beeinflussen lässt.
Anwendung: Ethik und Führung
In einem weiteren Bereich beschäftigen wir uns mit den Fragen: Welche Merkmale zeichnen moraliches oder ethisches Handeln von Führungskräften aus? Und zahlt sich solches Handeln überhaupt aus? Wir argumentieren, dass ethisches Handeln von Führungskräften sich für die Organisation und die Mitarbeitenden nur dann auswirkt, wenn solches Verhalten auch regelmässig, über Zeit und Situationen gezeigt wird.
Darauf aufbauend haben wir eine erste Version eines Instrumentes zur Erfassung von ethischer Führung (Ethical Leadership Behavior Scale, ELBS) entwickelt und getestet. Im Fokus sind dabei konkrete und beobachtbare Verhaltensweisen, die typische Realisierungen von ethischen Werten (wie z.B. Fairness, Ehrlichkeit) repräsentieren. Die ersten Resultate bestätigen im Weiteren, dass ethische Führung positive Mitarbeitereinstellungen und -leistungen begünstigen.
Anwendung: Wie wertvoll ist das Bankgeheimnis für Schweizerinnen und Schweizer?
Der internationale Druck auf das Schweizer Bankgeheimnis hat in den letzten Jahren zugenommen. In einer für die deutschsprachige Schweiz repräsentativen Online-Umfrage untersuchten wir, ob und in welchem Masse das Bankgeheimnis für die Schweizerinnen und Schweizerinnen “schützenswert” ist und welche Reaktionstendenzen sich daraus ergeben. Ein besonderes Augenmerk galt auch der Rolle des Wertekonflikts und der wahrgenommenen Bedrohung des Bankgeheimnisses.
