Psychologisches Institut – Lehrstuhl für Neuropsychologie

 
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Kooperation der Universität Zürich mit der Jacobs Foundation

"Investition in die Jugendforschung"

NZZ vom 14.01.2014

Lehrstuhl Neuropsychologie

Aktuelles

Für das «absolute Gehör» wirken zwei Hirnteile zusammen

Stefan Elmer, Lars Rogenmoser, Jürg Kühnis und Lutz Jäncke. Bridging the gap between perceptual and cognitive perspectives on absolute pitch. The Journal of Neuroscience, 6. Januar, 2015. doi: 10.1523/JNEUROSCI.3009-14.2015

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Menschen, die «absolut hören», können Töne sofort und ohne Bezug zu Vergleichstönen benennen. Die neuronalen Grundlagen dieser aussergewöhnlichen Fähigkeit werden am Lehrstuhl für Neuropsychologie der Universität Zürich intensiv erforscht. Die Forschenden haben nun bei diesen aussergewöhnlichen Menschen eine enge funktionelle Kopplung zwischen dem Hörkortex im Gehirn und dem Stirnhirn festgestellt. Ein Befund, der nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch von Bedeutung ist. 
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Mozart soll es gehabt haben, Bach und Beethoven ebenso: das «absolute Gehör». Die Fähigkeit also, einen Ton zu benennen und zu kategorisieren, ohne dazu Vergleichstöne nutzen zu müssen. Die sogenannten Absoluthörenden nehmen einen Ton wahr und können ihn dann präzise zum Beispiel als Cis, A oder Fis bezeichnen, während die meisten Menschen Töne nur relativ unterscheiden können. Die bemerkenswerte Fähigkeit ist mit einer Prävalenz von kleiner als einem Prozent in der Normalbevölkerung relativ selten, wird aber bei professionellen Musikern mit 20 Prozent häufiger beobachtet; oft wird vermutet, dass diese besondere Hörfähigkeit ein wesentlicher Aspekt von aussergewöhnlicher Musikbegabung ist.

Im Musik-Lab am Lehrstuhl für Neuropsychologie der UZH wird unter der Leitung von Prof. Lutz Jäncke dieses Phänomen bereits seit vielen Jahren intensiv erforscht. In einer aktuellen Studie mit absolut hörenden Musikern wurden nun Befunde erzielt, die gemäss Erstautor Stefan Elmer eine neue Sicht auf die zugrunde liegenden psychologischen und neurophysiologischen Prozesse beim «absoluten Gehör» eröffnen: «Mit unserer Studie zeigen wir, wie beim ‹absoluten Hören› zwei Hirngebiete, nämlich der Hörkortex und der dorsale Frontalkortex, zusammenarbeiten. Damit vereinen wir zwei eigentlich entgegengesetzte Erklärungsansätze für das Phänomen miteinander.»

Zwei Theorien zum «absoluten Gehör»

Eine Erklärungslinie geht davon aus, dass Absoluthörer die Töne bereits auf einer sehr frühen Stufe der Tonverarbeitung kategorisieren. Das bedeutet, dass sie Töne gleich wie Sprachlaute verarbeiten und diese bestimmten Kategorien zuordnen, was als kategorielle Wahrnehmung von Tönen bezeichnet wird. Diese These geht damit davon aus, dass die Töne bei Absoluthörern im Gehirn bereits im primären und sekundären Hörkortex verarbeitet werden.

Eine andere Theorie schlägt vor, dass Absoluthörer die Töne erst später verarbeiten und die Töne mit Gedächtnisinformationen assoziieren. Die Menschen mit dieser Begabung sollen insbesondere die unbewussten Zuordnungen der Töne zu Gedächtnisinformationen besonders gut beherrschen; diese Zuordnungen werden vor allem im oberen Stirnhirn, im dorsalen Frontalkortex, vorgenommen. «Beide Theorien machen also hinsichtlich des Zeitpunkts und des anatomischen Ortes der speziellen Verarbeitung völlig unterschiedliche Aussagen und bislang existieren für beide Theorien unterstützende Befunde», so Lutz Jäncke.

Verbundene Hirnareale erklären das Phänomen

In seiner Studie kann Stefan Elmer nun zeigen, dass der linksseitige Hörkortex und der linksseitige dorsale Frontalkortex funktionell bereits im Ruhezustand – das heisst, wenn keine Aufgaben zu bewältigen sind – stark gekoppelt sind. Diese funktionelle Kopplung konnte anhand eines mathematischen Verfahrens geschätzt werden, das mittels Oberflächen-Elektroenzephalogramm (EEG) auf die Hirnaktivitäten im Inneren des Gehirns schliesst. Bei Absoluthörern sind die neurophysiologischen Aktivitäten im Frontal- und Hörkortex synchronisiert, was auf eine enge funktionale Kopplung schliessen lässt.

Das bedeutet, dass die Hirngebiete, welche frühe Wahrnehmungsfunktionen (Hörkortex) bzw. späte Gedächtnisfunktionen (dorsaler Frontalkortex) kontrollieren, bereits im Ruhezustand eng verwoben sind. «Diese Koppelung begünstigt einen besonders effizienten Informationsaustausch zwischen dem Hörkortex und dem dorsalen Frontalkortex bei Absoluthörern, so dass Wahrnehmungs- und Gedächtnisinformationen schnell und effizient ausgetauscht werden können», erläutert Elmer.

Training der auditorischen Wahrnehmung

Die Resultate sind nicht nur für das Verständnis des «absoluten Gehörs» von Bedeutung, sondern auch für das Verständnis effizienter Hörverarbeitung: «Die auditorische Wahrnehmung hängt nicht nur von der Integrität des Hörkortex’ ab, sondern insbesondere auch von der Verknüpfung des Hörkortex’ mit übergeordneten Hirnstrukturen, die Gedächtnisinformationen verarbeiten», fasst Lutz Jäncke zusammen. Auf der Grundlage dieser Befunde könne es möglich werden, Trainingsmassnahmen abzuleiten, welche die Hörleistungen im Alter aber auch im Zusammenhang mit verschiedenen Hörbeeinträchtigungen verbessern würden.

25.11.2014, Radio SRF Virus : "Musik und das Gehirn"

Gehirn

Prof. Jäncke ist neuer Section Editor bei der Zeitschrift PLOS

www.plosone.org

Ausschreibung für Professuren für das erweiterte
"Jacobs-Center for Productive Youth Development"

Publikation: Gehirngrösse, Alter und Geschlecht

Jäncke, L., Merillat, S., Liem, F.,Hanggi, J. (2014). Brain size, sex, and the aging brain. Human Brain Mapping, Epub ahead.

Geschlechtsunterschiede im Hinblick auf psychische Funktionen (beispielsweise Sprache, räumliche Orientierung und Multitasking) werden häufig berichtet. Solche Unterschiede werden gerne mit anatomischen Geschlechtsunterschieden in Verbindung gebracht. Dabei wird oft postuliert, dass die Geschlechtsunterschiede für psychische Funktionen durch die anatomischen Unterschiede quasi determiniert würden. Des Weiteren wird auch postuliert, dass die mit voranschreitendem Alter zu beobachtenden anatomischen Veränderungen bei Männern schneller und auffälliger einträten als bei Frauen. Im Rahmen einer aktuellen Arbeit unserer Arbeitsgruppe haben wir anhand ein relativ großen Stichprobe von nichtdementen Personen (n=856) zeigen können, dass im Grunde kein nennenswerter Geschlechtsunterschied für viele hirnanatomischen Kennwerte vorliegt, sofern man diese anhand des Gehirnvolumens statistisch korrigiert. Diese Korrektur ist gemäß unserer Auffassung notwendig, denn zirka 20% der Männer weisen ein Gehirnvolumen auf, das in etwa dem durchschnittlichen Volumen der Frauen entspricht. Ebenso weisen zirka 20% der Frauen ein Hirnvolumen auf, das dem des durchschnittlichen Volumens von Männergehirnen entspricht. Der statistische Einfluss des Geschlechts auf die anatomischen Kennwerte ist nach Gehirngrößenkorrektur eher marginal und liegt im Bereich von 0.5-2%. Des Weiteren ergab sich auch kein Geschlechtsunterschied im Hinblick auf die mit dem Altern verbundenen anatomischen Veränderungen. Die anatomischen Besonderheiten des menschlichen Gehirns hängen mehr von der absoluten Gehirngröße ab und werden weit geringer als bislang vermutet von geschlechtsabhängigen Variablen beeinflusst.

Eröffnungsrede am Lucern Festival

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NZZ 15.8.2014 : "Der Zauber der Musik"

SRF 15.8.2014 : "Das Orchester, die Musik und die Emotion - eine Analyse"

Masterarbeiten

Masterarbeiten im Bereich der neuropsychologischen bzw. neurophysiologischen Diagnostik des ADHD zu vergeben. Die Kandidaten sollten bereit sein, sich in moderen EEG-Methoden einzuarbeiten, welche zur Diagnostik des ADHD eingesetzt werden. Die Arbeiten werden im praktischen Umfeld mit Patienten durchgeführt und direkt von Herrn Prof. Jäncke betreut.

Am Lehrstuhl für Neuropsychologie sind in Zusammenarbeit mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsspitals Zürich spannende Masterarbeiten zu vergeben. Der Schwerpunkt der Untersuchung ist der Zusammenhang zwischen Augenverhalten/-physiologie (unbewusste Augenbewegungen, Pupillengrösse) und "mentaler Zeitperspektive" bei der posttraumatischen Belastungsstörung.  Die Arbeit wird im klinischen Umfeld mit Patienten und Patientinnen durchgeführt und wird von Dr. Kurt Stocker betreut. Für mehr Informationen klicken Sie bitte das nachstehende PDF-Dokument an. 

4 Studierende gesucht

die an der Schweizer Normierung eines Lese- und Rechtschreibtestes mitarbeiten. Voraussetzung ist der Bachelor in Psychologie und Interesse an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Bitte direkt bei Herrn Prof. Jäncke melden.