Erzählanalytische Untersuchungen auf der Basis von Interviews mit Lungentransplantations-EmpfängerInnen
Kooperationsprojekt mit PD Dr.med. Lutz Götzmann (Abteilung Psychosoziale Medizin, Universitäts-Spital Zürich)
Übersicht
Dieses Projekt erforscht die komplexe psychische Integrationsleistung, die Lungentransplantations-EmpfängerInnen erbringen müssen, um mit der Situation der Todspende sowie der Tatsache eines fremden und lebenswichtigen Organs im eigenen Körper zu Recht zu kommen. Datengrundlage bilden 20 von der Abteilung Psychosoziale Medizin (Universitäts-Spital Zürich) für Forschungszwecke zur Verfügung gestellte narrative Interviews mit Lungentransplantations-EmpfängerInnen, welche zu ihren Erfahrungen vor und nach der Operation sowie ihrem sozialen Umfeld und Körpererleben befragt wurden.
Mit Hilfe von erzählanalytischen Untersuchungen können die psychischen Anforderungen, denen diese PatientInnen ausgesetzt sind, differenziert und methodisch stringent erforscht werden. Das zu diesem Zweck verwendete inhalts- und erzählanalytische Verfahren JAKOB ist ein qualitatives, am Psychologischen Institut der Universität Zürich (Abteilung Klinische Psychologie, Psychotherapie und Psychoanalyse) entwickeltes Untersuchungsinstrument, welches mit der Analyse von Ausschnitten videographierter und transkribierter Therapiesitzungen oder Interviews eine fundierte psychodynamische Konfliktdiagnostik ermöglicht (Boothe, Grimmer, Luder, Luif, Neukom & Spiegel, 2002).
Die bisherigen Analysen von Erzählungen von Lungentransplantations-EmpfängerInnen haben gezeigt, dass die seelische Verarbeitungsfähigkeit vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe steht und in jedem Fall stark beansprucht wird. Der Spender ist eine vollkommen unbekannte, doch gleichzeitig hochbedeutsame Person. Sie wird im Fantasieraum zu einer Figur, zu dem jede Patientin und jeder Patient eine spezifische, zumeist ambivalente und konfliktbeladene Beziehung aufnimmt. Die Struktur dieser Beziehung gibt Aufschluss über die psychische Integration des fremden Organs, was zu behandlungsrelevanten Überlegungen, beispielsweise in Bezug auf die vermutete oder zu erwartende Compliance der PatientInnen, führt.
Projektmitarbeiterinnen - Lizentiatsarbeiten
Lewin, T. (2010). Der Andere in mir – Freund oder Feind? Psychoanalytische Überlegungen zur psychischen Verarbeitung und Organintegration nach einer Lungentransplantation. Unveröffentlichte Lizentiatsarbeit, Universität
Zürich, Psychologisches Institut, Abteilung für Klinische Psychologie,
Psychotherapie und Psychoanalyse.
Mettler, S. (2009). Die Erzählungen des Herrn B. Psychoanalytische Fallstudie eines Lungentransplantationspatienten mit der Erzählanalyse JAKOB Unveröffentlichte Lizentiatsarbeit, Universität Zürich, Psychologisches Institut, Abteilung für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Psychoanalyse.
Emmenegger, V. (2009). Die Erzählungen des Herrn L. – Psychoanalytische Fallstudie eines Lungentransplantationsempfängers mittels der Erzählanalyse JAKOB. Unveröffentlichte Lizentiatsarbeit, Universität Zürich, Psychologisches Institut, Abteilung für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Psychoanalyse.
Feldmann, K. (2008). Zwischenmenschliche Beziehungen und psychische Verarbeitung der Organtransplantation im Spiegel der Erzählungen nach einer Lungentransplantation. Unveröffentlichte Lizentiatsarbeit, Universität Zürich, Psychologisches Institut, Abteilung für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Psychoanalyse.
Corti, V. (2007). Die Beziehung zwischen SpenderInnen und EmpfängerInnen im Spiegel der Erzählungen von Lungentransplantations-EmpfängerInnen. Unveröffentlichte Lizentiatsarbeit, Universität Zürich, Psychologisches Institut, Abteilung für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Psychoanalyse.
Literatur
Boothe, B., Grimmer, B., Luder, M., Luif, V., Neukom, M. & Spiegel, U. (2002). Manual der Erzählanalyse JAKOB. Version 10/02. Berichte aus der Abteilung Klinische Psychologie, Nr. 51. Universität Zürich: Psychologisches Institut, Klinische Psychologie I. Verfügbar über: www.jakob.unizh.ch
Buddeberg, C. (2004). Psychosoziale Medizin. Berlin: Springer.
Götzmann, L. (2004). “Is it me, or isn’t it?” – Transplanted Organs and their Donors as Transitional Objects. American Journal of Psychoanalysis, 3, 279-89.
Götzmann, L., Moser, K.S., Vetsch, E., Naef, R., Russi, E.W., Buddeberg, C. & Boehler, A.(2005). Mental Models after Lungtransplantation – Results of a Qualitative Metaphor Analysis. Unveröff. Manuscript, Abteilung Psychosoziale Medizin, Universitätsspital Zürich.
Götzmann, L. (2006). Transplantierte Organe und ihre Spender als Übergangsobjekte. Psychoanalyse – Texte zur Sozialforschung, 1, 28-39.
Götzmann, L., Moser, K.S., Vetsch, E., Naef, R., Klaghofer, R., Naef, R., Russi, E.W., Buddeberg, C. & Boehler, A. (2006). What do patients think after a lung transplantation about their self, lung and social network? A quantitative analysis of categorical interview data. GMS Psycho-Social-Medicine, 3 [On-line]. Available: http://www.egms.de/en/journals/psm/2006-3/psm000023.shtml
Götzmann, L., Moser, K.S., Vetsch, E., Klanghofer, R., Naef, R., Russi, E.W., Buddeberg, C. & Boehler, A. (2007). How does psychological processing relate to compliance behaviour after lung transplantation? – A content analytical study. Psychology, Health and Medicine, 12, 94-106.
Götzmann, L., Moser, K.S., Vetsch, E., Grieder, E., Naef, R., Russi, E.W., Buddeberg, C. & Boehler, A. (2009). "Medikamente sind Bomben" - zum Metapherngebrauch von Lungentransplantations-Patienten mit guter oder ungenügender Compliance. (“Drugs are bombs” - the use of metaphors in lung recipients with high or low compliance.) Zeitschrift für Medizinische Psychologie, 18, 1-9.
Scheuer, E. & Götzmann, L. (2003). Psychosoziale Evaluation und Betreuung von Patienten vor und nach Lungentransplantation. In Y. Erim & K.-H. Schulz (Hrsg.), Beiträge der Psychosomatik zur Transplantationsmedizin (S. 118-128). Pabst Science Publishers: Lengerich.
