Psychologisches Institut – Klinische Psychologie, Psychotherapie und Psychoanalyse

Forschungsprojekte

1 Kreditierung und Kreditierungsanalyse

Das Beziehungs- und Kommunikationskonzept der Kreditierung wurde für die Eltern-Kind-Beziehung formuliert (Boothe & Heigl-Evers, 1996) (to credit = jemandem etwas zutrauen, Glauben schenken, jemanden anerkennen) und von Grimmer (2006) auf die therapeutische Beziehung übertragen. Kreditierung zeigt sich darin als Haltung des Therapeuten, dem Patienten Kredit für sein Anliegen, Glauben an seine Ressourcen und sein Entwicklungspotenzial sowie Zuversicht zu vermitteln. Dadurch können ihm Entwicklungsschritte und die Konfrontation mit neuen Sichtweisen zugemutet werden, in denen er sich als machtvoller Akteur statt als passives Opfer erleben kann.

In einer explorativen Studie (Lizentiatsarbeit MLH) wurde Kreditierung erstmals auf Narrative Interviews und die lebensgeschichtliche Perspektive angewendet und ein Untersuchungsinstrument zur Kreditierungsanalyse entwickelt. Kreditierung zeigt sich hier in vielfältigen Formen der Selbst- und Fremdzuschreibung von Glücks- und Unglückserleben in der Biografie, aber auch in interaktionellen Bewertungsprozessen in der Interviewsituation. Damit können wichtige Funktionen im Konstruktionsprozess narrativer Identität und der Lebensbilanzierung beschrieben werden, in der es zu Neubewertungen und Neupositionierungen kommen kann.

Das Untersuchungsinstrument und Kategoriensystem wurde anhand weiterer Lebensrückblicksinterviews und Transkripte von Therapiegesprächen erweitert.

Projektgruppe Kreditierung

Abgeschlossene Lizentiatsarbeiten:

Laufende Lizentiats- und Masterarbeiten:

2 Narrative Gerontologie: Glück und Unglück im Lebensrückblick

Während die Gerontologie und Gerontopsychologie „äussere“ oder Verhaltensaspekte der Alternsprozesse untersuchen, setzt sich die Narrative Gerontologie zum Ziel, die „inneren“ Aspekte des Alterns zu erforschen. Lebensrückblick wird nicht nur als Möglichkeit der Bewältigung des Alter(n)sprozesses, sondern auch als Präventionsmöglichkeit zur Vorbereitung auf das Altern verstanden.

An Einzelfallanalysen im lebensgeschichtlichen Interview (Seniorenprojekt "Glück und Unglückserfahrungen im Lebensrückblick älterer Menschen") wurden Charakteristika des Lebensrückblicks, Bedeutung des Erzählens im Alter, Bezüge zu gerontopsychologischen Theorien des erfolgreichen Alterns und Coping sowie die Entwicklung von Bindung über die Lebensspanne untersucht.

Qualitative Forschungsmethoden (Erzählanalyse JAKOB, Qualitative Inhaltsanalyse, Kreditierungsanalyse u.a.) ermöglichen einen Zugang zu individuellen Glücksmodellen und Bewältigungsformen kritischer Lebensereignisse über die Lebensspanne. Zugleich untersuchen wir, inwiefern Erinnern und Erzählen eine mögliche Ressource emotionaler Regulierung in der Interviewsituation darstellt. Die Lebensrückblickinterviews geben zusätzlich einen Einblick in die Heterogenität von Alternsverläufen, abhängig von der jeweiligen Biografie.

Nach einer Zwischenbilanz des Altersprojekts werden aktuell die Befunde des gesamten Seniorenprojekts (frühere Projektleitung Geneviève Grimm) mit 17 Lizentiatsarbeiten, 2 Dissertationen und zahlreichen Publikationen zusammengeführt und theoretisch wie praktisch integriert (Projektabschluss 2011).

Artikel UZH News zum Seniorenprojekt, 14.1.2011

Interview mit M.-L. Hermann, DRS1 Wissen aktuell 19.1.2011

Abgeschlossene Lizentiatsarbeiten:

3 Die Zukunft der seelischen Gesundheit im Alter gestalten

Abgeschlossene Dissertation „Die Zukunft der seelischen Gesundheit im Alter gestalten. Wirkungen der Münsterlinger Zukunftskonferenz“

Aufgrund des demografischen Wandels der Altersstruktur ist mit einer deutlichen Zunahme psychischer Störungen im Alter wie Depression und Demenz zu rechnen. Um sich auf die zukünftigen Anforderungen vorzubereiten, wurde im Mai 2007 - getragen von den Psychiatrischen Diensten Thurgau und dem Gesundheitsamt des Kantons Thurgau - eine zweitägige Zukunftskonferenz zum Thema “Die Zukunft der seelischen Gesundheit im Alter im Kanton Thurgau“ veranstaltet. Die Teilnehmer (Vertreter aller betroffenen Berufsgruppen, regionale Entscheidungsträger, Experten, Senioren) entwickelten dort innovative Projektideen zur Prävention psychischer Störungen im Alter.

Das Dissertationsprojekt begleitet den Prozess der Konferenz und der ersten Umsetzungsphase der Projektgruppen über zwei Jahre. Ziel der Forschungsarbeit ist einerseits die umfassende Dokumentation und Evaluation der Zukunftskonferenz und des Umsetzungsprozesses, andererseits die Analyse von Altersbildern der Teilnehmer. Als Datenmaterial werden Fragebögen, Konferenzmaterialien und Gruppendiskussionen mit quantitativen und qualitativen Methoden (Inhaltsanalyse) untersucht. Die Münsterlinger Zukunftskonferenz versteht sich als regionales Pilotprojekt im Bereich „seelische Gesundheit im Alter und Prävention“ und könnte bei Erfolg als Modell auch in anderen Kantonen durchgeführt werden.

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