Von der Abklärung zur Therapie
Anliegen von Ratsuchenden in Abklärungsgesprächen
Forschungsprojekt der Abteilung Klinische Psychologie, Psychotherapie und Psychoanalyse
Thema: Wie kommt eine Psychotherapie zustande? Für Menschen, die an psychischen Problemen leiden, ist es oft ein grosser Schritt, eine psychotherapeutische Behandlung zu beginnen. Aus der Literatur zur Psychotherapieforschung weiss man, dass die erste Begegnung mit einer Fachperson aus dem Bereich der Psychotherapie entscheidende Bedeutung dafür hat, ob eine Behandlung zustande kommt oder nicht. Retrospektive Patientenbefragungen haben gezeigt, dass diejenigen Abklärungsgespräche am besten eingeschätzt wurden, bei denen die Ratsuchenden den Eindruck hatten, die Fachperson hätten etwas von ihrem Anliegen verstanden. Das sorgfältige Erfassen des Anliegens, mit dem die Ratsuchenden eine psychotherapeutische Abklärungsstelle aufsuchen, scheint also eine zentrale Rolle zu spielen. Aus psychodynamischer Perspektive interessieren dabei nicht nur explizite, dem Ratsuchenden zugängliche Anliegen, sondern auch die impliziten, eher nicht zugänglichen, unbewussten Aspekte, die zu einer psychotherapeutischen Abklärung führen.
Datenmaterial: Tonband- und Videoaufzeichnungen von Erstgesprächen mit 30 PatientInnen. Ein Teil davon hat sich für den Beginn einer psychotherapeutischen Behandlung entschieden, bei einem anderen Teil kam keine Behandlung zustande.
Methoden: Unsere Arbeit im qualitativen Sektor der Psychotherapieforschung verfolgt den Ansatz der Methoden-Triangulation, d.h. wir wollen mit verschiedenen an der Abteilung entwickelten respektive angewandten und erprobten Verfahren die Fragestellungen untersuchen und miteinander in Beziehung setzen (Gesprächsanalyse, Kreditierungsanalyse, Erzählanalyse JAKOB, OPD, Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik).
Masterarbeiten/Lizentiatsarbeiten: Es ist ab Herbst 2010 möglich, Masterarbeiten im Rahmen dieses Projektes zu schreiben. Als Vorbereitung dazu werden im FS 2010 resp. HS 2010 verschiedene Projektgruppen veranstaltet:
- Projektgruppe 1: Welches ist das implizite/unbewusste Anliegen des Patienten während des Abklärungsprozesses? Wird dieses durch Erzählungen aus der Abklärungsphase erschliessbar? Wie verhält sich die erzählanalytisch erschlossene Konfliktdynamik zum explizit mitgeteilten Anliegen? - Methode: Erzählanalyse JAKOB - Betreuung: Lina Arboleda, Marc Luder.
- Projektgruppe 2: Wie funktioniert ein psychotherapeutisches Abklärungsgespräch und wie ist es aufgebaut? Wie gehen die Gesprächspartner miteinander um, wie behandeln sie sich und was spielt sich zwischen ihnen ab? – Methode: Gesprächs- und Interaktionsanalyse – Betreuung: Michael Frei und Hanspeter Mathys.
- Projektgruppe 3: Wo und wie äussern sich Patienten in Bezug auf ihr Anliegen? In welchem Verhältnis stehen explizite und implizite Aussagen? Gibt es typische Phasen, die in der Klärung von Anliegen durchlaufen werden? – Methode: Inhaltsanalyse – Betreuung: Marius Neukom.
- Projektgruppe 4: Wie handeln Patient und Therapeut den „Kredit“ für eine Psychotherapie aus, kommt es zu einem „Pakt“? – Methode: Kreditierungsanalyse – Betreuung: Marie-Luise Hermann.
- Projektgruppe 5: Welches Krankheitsverständnis der Ratsuchenden wird aus den Erstgesprächen ersichtlich? Rating der Erstgespräche mithilfe der Achse I der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (OPD). - Methode: OPD - Betreuung: Hanspeter Mathys.
Links:
Einführung Erzählanalyse JAKOB: Projektgruppe Erzählanalyse JAKOB
Projektgruppen Narrativ/Erzählanalyse: Lina Arboleda, Marc Luder
Projektgruppe Gesprächsanalyse: Michael Frei
Projektgruppe Inhaltsanalyse: Marius Neukom
Projektgruppe OPD: Hanspeter Mathys
Projektgruppe Kreditierung: Marie-Luise Hermann
