Forschungsprojekt
A brain-state dependent role of reactivation for memory formation
Gedächtnisbildung ist ein höchst dynamischer Vorgang, der gleichzeitig
das langfristige Speichern von relevanten Informationen sicherstellen
als auch das Vergessen von nicht-adaptiven Erinnerungen erlauben muss.
Unserer Forschung in der Abteilung Biopsychologie liegt die Hypothese
zugrunde, dass die Reaktivierung von Gedächtnisspuren für beide Prozesse
(Speichern und Vergessen) einen zentralen Mechanismus darstellt, der
abhängig ist vom Schlaf- oder Wachstadium des Gehirns:
Gedächtnisreaktivierungen durch Abruf oder einen Erinnerungsreiz im
Wachzustand destabilisieren die Gedächtnisspur kurzfristig und eröffnen
so die Möglichkeit für eine Aktualisierung von Erinnerungen in
Anbetracht neuer Informationen. Im Tiefschlaf dagegen führen
Reaktivierungen zu einer Stabilisierung von Gedächtnisspuren und ihrer
Integration in das Langzeitgedächtnis. In unserer Forschung untersuchen
wir die Mechanismen dieser stadien-abhängigen Funktion von
Reaktivierungen für die Speicherung und das Vergessen von Erinnerungen
untersuchen. Im Speziellen werden wir (A) die neurophysiologischen
Korrelate von stadien-abhängigen Reaktivierungen identifizieren, (B) die
Wichtigkeit des Neuromodulators Acetylcholine in diesem Prozess
untersuchen, (C) die Funktion von Reaktivierungen im REM-Schlaf für das
Speichern und Vergessen von neutralen und emotionalen Gedächtnisinhalten
bestimmen sowie (D) der Funktion von Reaktivierungen auf das Gedächtnis
im Wachzustand während veränderter Aufmerksamkeitszustände (z.B.
Hypnose) untersuchen. Langfristig möchten wir unsere Erkenntnis auf das
Verarbeiten von traumatische Erinnerung in Patienten mit
posttraumatischen Belastungsstörungen anwenden. Die Ergebnisse der
geplanten Studien sind von höchster Relevanz für das theoretische
Verständnis der Gedächtnisbildung und haben direkte Implikationen für
therapeutische, medizinische und auch lerntheoretische Anwendungen.
