Psychologisches Institut – Angewandte Psychologie: Life-Management

Soziale Motivation im Erwachsenenalter


(Nikitin, Freund)

Ob sich Personen an etwas Erwünschtes annähern oder etwas Unerwünschtes vermeiden wollen, gehört zu den grundlegenden Unterscheidungen in der Motivationspsychologie. So kann man auch in zwischenmenschlichen Beziehungen entweder Annäherung suchen (Annäherungsmotiv) oder Ablehnung vermeiden (Vermeidungsmotiv). In diesem Schwerpunkt untersuchen wir die Annahme, dass eine gleichzeitige Betrachtung des Annäherungs- und Vermeidungsmotivs für das Erleben und Verhalten in sozialen Situationen einen zusätzlichen Erklärungswert hat, der über die Effekte der jeweils einzeln betrachteten motivationalen Tendenzen hinausgeht.

Neben der Wechselwirkung der beiden Motive interessieren wir uns um die Frage ihrer Entwicklung über das Erwachsenenalter. Soziale Motive sollten im jungen Erwachsenenalter – einer Phase, in der neue soziale Rollen aufgenommen und neue Beziehungen geknüpft werden müssen – eine wichtige Rolle spielen. Im Gegensatz dazu nimmt die Erweiterung des eigenen sozialen Netzwerkes im höheren Erwachsenenalter an Wichtigkeit ab. Soziale Motive sollten daher für das soziale Erleben und Verhalten im jüngeren im Vergleich zum höheren Erwachsenenalter eine wichtigere Rolle spielen.

Eine weitere Frage der Entwicklung der sozialen Motivation im Erwachsenenalter ist das Zusammenspiel von sozialen Motiven und Zielen. Kongruenz zwischen Motiven und Zielen ist eine wichtige Bedingung des emotionalen und physischen Wohlbefindens. Wir vertreten die Annahme, dass ältere Menschen sowohl ein grösseres motivationales Potential als auch mehr Freiheit haben, um motivkongruente Ziele zu verfolgen.

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