Psychologisches Institut – Angewandte Psychologie: Life-Management

Projekt: Gewinn- und Verlustorientierung im Erwachsenenalter


Eine Vielzahl von Studien hat gezeigt, dass Menschen von einer Gewinnorientierung profitieren, während eine Verlustorientierung zu negativen Effekten in der Motivation, der Leistung und dem subjektiven Wohlbefinden führen kann. Diese Ergebnisse basieren grösstenteils auf Stichproben junger Erwachsener, häufig Studierende an amerikanischen Eliteuniversitäten, also jungen Menschen, von denen Leistungszugewinne erwartet werden und die über eine grosse Menge an internen und externen Ressourcen verfügen. Wie verändert sich die die Adaptivität von Gewinn- und Verlustorientierung mit dem Alter und geringer werden Ressourcen? In einer Reihe von Untersuchungen konnten wir zeigen, dass es für ältere Menschen durchaus positive motivationale Effekte haben kann, wenn sie versuchen, ein bereits erworbenes Leistungsniveau aufrecht zu erhalten und Verluste auf diesem Gebiet zu vermeiden (z.B. Freund, 2006). Auch konnten wir keine negative Wirkung von Verlustorientierung bei älteren Menschen auf ihr subjektives Wohlbefinden finden (z.B. Ebner, Freund & Baltes, 2006). Dieses Projekt stützt sich auf diese Ergebnisse zu altersbezogenen Unterschieden in der Zielorientierung und untersucht mit Hilfe von experimentellen und verhaltensbezogenen Verfahren die motivationalen Effekte von verschiedenen Zielorientierung auf die Performanz in verschiedenen Aufgabenbereichen wie bspw. Leistungsaufgaben, komplexen Problemlöseaufgaben oder im Bereich sozialer Kompetenz. Ausserdem interessiert uns, wie sich die Zielorienterung auf das Arbeiten in Dyaden auswirkt.

(1) Der Einfluss von Ressourcen auf Zielorientierung (Senko & Freund)

(Teilw. gefördert durch die Stiftung Suzanne und Hans Biäsch)

Dieses Teilprojekt untersucht die Frage, welche Rolle Ressourcen in altersbezogenen Unterschieden in Gewinn- vs. Verlustorientierung spielen. Wir nehmen an, dass jüngere Erwachsene mehr auf Gewinne fokussieren, da sie zum einen mehr Ressourcen haben und zum anderen mehr mögliche Gewinne wahrnehmen. ältere Erwachsene erleben dagegen stärkere Verluste ihrer Ressourcen (z.B. körperliche Kraft und kognitive Fähigkeiten). Dadurch werden Verluste deutlicher, zukünftige Gewinne unwahrscheinlicher und es wird wichtiger, weiteren Verlusten entgegenzusteuern. Wir testen unsere Annahmen ineiner Reihe von experimentellen Studien in denen wir jüngere, mittelalte und ältere Studienteilnehmer hinsichtlich ihrer Motivation und Leistung vergleichen und die wahrgenommene Verfügbarkeit von Ressourcen für das Lösen einer Aufgabe experimentell manipulieren.

(2) Zielorientierung in Dyaden (Freund)

In den meisten heutigen Arbeitskontexten arbeiten Menschen in Teams, die häufig aus gemischten Altersgruppen bestehen. Welchen Einfluss hat nun die unterschiedliche motivationale Orientierung von jüngeren und älteren Arbeitnehmern für die Zusammenarbeit in einem Team? Es ist denkbar, dass es bei der Zusammenarbeit aufgrund der unterschiedlichen motivationalen Orientierung zu Konflikten kommen kann. Alternativ könnte man aber auch annehmen, dass sich die beiden Zielorientierungen ergänzen, was zu positiven Effekten in der gemeinsamen Arbeit an einem Problem führen könnte. Dieses Teilprojekt untersucht (a) soziale Erwartungen von jungen und älteren Arbeitnehmenden hinsichtlich Altersunterschieden in den Zielorientierungen im Arbeitskontext, (b) Präferenzen für die Zusammenarbeit mit einer Person mit derselben oder einer anderen Zielorientierung (d.h. Zusammenarbeit in einer altershomogenen bzw. altersheterogenen Dyade) und (c) die Leistung in altersheterogenen oder altershomogenen Dyaden. Alle Studien verwenden Fragebögen sowie Beobachtungsverfahren, um diesen Fragen nachzugehen.

(3) Zielorientierung beim Lösen komplexer Probleme (Freund, Blanchard-Fields)

Spiegelt sich die Zielorientierung auch im Lösen komplexer Probleme wider, die entweder im Hinblick auf eine Gewinnmaximierung oder auf das Aufrechterhalten von wertvollen Ressourcen angegangen werden können? In einer ersten Studie zeigt sich ein deutlicher Altersunterschied: Junge Erwachsene maximieren ihren persönlichen Gewinn, wohingegen ältere Erwachsene primär mit ökologischen Ressourcen sorgfältig umgehen; mittelalte Erwachsene schneiden in beiden Aspekten eher schlecht ab. In weiteren Studien soll diesem Effekt genauer nachgegangen werden.

(4) Gewinn- vs. Verlustsensitivität in Entscheidungen (Freund, Depping)

Die Entscheidungsforschung zum sogenannten framing effect zeigt, dass Personen es vermeiden, ein hohes Risiko bei möglichen Verlusten einzugehen, während sie durchaus bereit sind, ein gewisses Risiko bei möglichen Gewinnen einzugehen. Bisher gibt es nur wenig Forschung dazu, ob sich dies mit dem Alter verändert. Sind ältere Personen gegenüber Verlusten ingesamt noch sensitiver als jüngere Erwachsene, da für sie die Verlustvermeidung ja insgesamt wichtiger als seine Gewinnorientierung ist? Diese Hypothese widerspricht der in der Alternsforschung gegenwärtig popoulären Hypothese, nach der sich Erwachsene mit zunehmendem Alter stärker an positive Stimuli annähern und negativen Stimuli gegenüber weniger sensitiv sind. In diesem Projekt wird mit Hilfe von Paradigmen aus der Entscheidungsforschung untersucht, welche Altersunterschiede in der Sensitivität gegenüber Verlusten in verschiedenen Bereichen (z.B. monetäre vs. gesundheitliche Risiken) besteht.



Prof. Dr. Alexandra M. Freund
Dipl.-Psych. Miriam K. Depping
Fredda Blanchard-Fields, Georgia Institute of Technology, Atlanta (USA)

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