Kann eine gesunde Lebensweise das Risiko für chronische Erkrankungen reduzieren?
von lic. phil. Regula Gasser

Um die Wirkung der gesunden Lebensweise messen zu können, erhoben die ForscherInnen, ob sich die TeilnehmerInnen der Studie bei den vier Risikofaktoren (Rauchen, Ernährung, Bewegung, BMI) eher gesund (1 Punkt) oder ungesund (0 Punkte) verhielten. Mit den Ergebnissen bildeten sie dann einen Summen-Score, der von 0 bis 4 reicht. Weniger als 4% der Teilnehmer wiesen 0 Punkte auf (= sehr ungesund/riskant), 9% hatten 4 Punkte (= sehr gesund). Die meisten TeilnehmerInnen hatten aber einen Wert von 1 bis 3 Punkten.
Nach einer durchschnittlich 7,8 Jahre umfassenden Zeit seit dem Start der Studie wurde bei 2006 oder 3,7% der TeilnehmerInnen eine Diabetes-Erkrankung neu diagnostiziert, bei 0,9% ein Herzinfarkt, bei 0,8% ein Schlaganfall und bei 3,8% Krebs.
Nachdem bei den Daten Alter, Geschlecht, Bildungsstand und Beschäftigungsstatus statistisch mitberücksichtigt wurden, sank die Risikowahrscheinlichkeit für das Auftreten einer chronischen Erkrankung in dem Masse, wie die Anzahl gesunder Verhaltensweisen stieg. TeilnehmerInnen, die zu Studienbeginn eine hohe Punktzahl, also wenig Risikofaktoren aufwiesen, hatten im Vergleich zu Personen mit niedriger Punktzahl ein durchschnittlich um 78 Prozentpunkte niedrigeres Risiko, eine der genannten chronischen Krankheiten zu erwerben. Die Risikoverringerung lag für eine Neuerkrankung an Diabetes bei 93%, für Herzinfarkt bei 81%, für Schlaganfall bei 50% und für Krebs immerhin noch bei 36%.
Quelle: Gesundheitsforum Gesundheitspolitik. Earl S. Ford, Manuela M. Bergmann, Janine Kröger, Anja Schienkiewitz, Cornelia Weikert, Heiner Boeing: Healthy Living Is the Best Revenge – Findings From the European Prospective Investigation Into Cancer and Nutrition – Potsdam Study. Archives of Internal Medicine, 2009; 169[15]: 1355–1362).
