Gleich und gleich gesellt sich gern?
von Dr. phil. David Weiss

Doch ist das immer so? Singh und Ho (2000) konnten in einem Experiment zeigen, dass unter bestimmten Bedingungen die wahrgenommene Ähnlichkeit stärker zählt und in anderen eher die Unähnlichkeit. Den Teilnehmern/-innen dieser Studie wurde eine Person vorgestellt, die als ähnlich bzw. unähnlich in ihren Einstellungen beschrieben wurde. Wenig später wurden die Teilnehmer/-innnen gebeten, die Attraktivität dieser Person in verschiedenen Bereichen einzuschätzen. Die Ergebnisse zeigen, dass die wahrgenommene Unähnlichkeit am wichtigsten ist, wenn es darum geht, die soziale Attraktivität (z. B. Gesellschaft, Sympathie) einer Person einzuschätzen.
Wahrgenommene Ähnlichkeit hingegen ist dann entscheidend, wenn die intellektuelle Attraktivität (z. B. Intelligenz, Wissen) der Person bewertet werden soll. Bei der Wahl unserer Interaktionspartner achten wir also stärker darauf, Unähnlichkeiten zu vermeiden. Demnach stossen sich Gegensätze insbesondere in sozialen Beziehungen ab.
Geht es aber um einen spezifischen Informationsaustausch zwischen Personen, sind die wahrgenommenen Gemeinsamkeiten entscheidend, um einen passenden Interaktionspartner zu finden.
Quelle: Singh, R., & Ho, S. Y. (2000). Attitudes and attraction: A new test of the attraction, repulsion and similarity–dissimilarity asymmetry hypotheses. British Journal of Social Psychology, 39, 197–211.
