Kurz- und langfristige Folgen von starkem Stress
von cand. M. A. Fabian Lienhard und Dipl.-Psych. Maida Mustafic

Das Erleben von Stress führt zur Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol, die den Körper in den sogenannten "Fight or Flight"-Modus versetzen: entweder stellt man sich der Gefahr im Kampf oder sucht sein Heil in der Flucht. So nützlich dieser Mechanismus für kurze Zeit auch ist - bleibt das Gehirn für längere Zeit in diesem Zustand der Übererregung, kann dies zu einer Gefährdung neurobiologischer Funktionen und sogar Verlust von neuronalem Gewebe führen. Frappant ist dies, da gerade die für den Informationsabruf so wichtigen Hirnregionen Präfrontalcortex und Hippocampus besonders darunter zu leiden haben. Der Präfrontalcortex erstreckt sich über die ganze vordere Gehirnrinde, in ihm werden Gedächtnisinhalte gespeichert. Der Hippocampus auf der andern Seite ist eine Struktur in der Mitte des Gehirns, die für die Überführung von Gedächtnisinhalten vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis wichtig ist. Beeinträchtigungen dieser beiden Regionen führen zu wesentlichen Einbussen der Gedächtnisleistung. Akut stark gestresste Personen sind also mitunter gar nicht mehr in der Lage, geforderte Information abzurufen, da diese entweder nicht richtig abgespeichert wurden, oder nicht mehr zugänglich sind.
Durch den chronischen Angst- und Stresszustand besteht zudem die Gefahr, dass es zu einer Vergrösserung der aktivierten Hirnstrukturen kommt, in dem Fall der Amygdala. Die Amygdala oder Mandelkern ist ebenfalls eine zentrale Struktur im Gehirn, die wesentlich an der Entstehung der Angst beteiligt ist und daraufhin entsprechende Reaktionen einleitet. Die Folge einer vergrösserten Amygdala ist eine verstärkte Angstreaktion was wiederum zu einer stärkeren vegetativen Reaktion führt. Dadurch entsteht eine negative Rückkopplungsschleife, die die Reaktionen immer weiter aufschaukelt.
Ergebnisse vieler Studien belegen also die kurz- und langfristigen Folgen von andauerndem Stress. Dies hat nicht nur Implikationen für das Verstehen und Behandeln langfristiger Stressfolgen in Interventionen, sondern hat auch zum Beispiel Folgen dafür, wie unterschiedlichste Befragungsmethoden, zum Beispiel in der Justiz, aus wissenschaftlicher Sicht zu bewerten sind.
Quellen (auch Bildquelle):
O'Mara, S. (2009): Torturing the brain: On the folk psychology and folk neurobiology motivating 'enhanced and coercive interrogation techniques'. Trends in Cognitive Sciences, 13, 497-500.
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