Positive Psychologie

Was ist Positive Psychologie?

Die amerikanischen Psychologen Martin E. P. Seligman und Mihaly Csikszentmihalyi (2000) kritisieren, dass man sich in der Psychologie hauptsächlich mit der Erforschung pathologischer Aspekte beschäftigt hat und dabei positive Eigenschaften, wie Hoffnung, Weisheit, Kreativität oder Mut weitgehend ausser Acht gelassen hat. Als ein Beispiel dazu weist etwa Myers (2000) darauf hin, dass in den letzten 30 Jahren in der psychologischen Literatur 46.000 Artikel über Depressionen und gerade einmal 400 über Freude zu finden sind. Seligman und Csikszentmihalyi rufen dazu auf, sich in der Forschung und in der Praxis verstärkt mit positiven Eigenschaften von Menschen zu beschäftigen. Die Positive Psychologie wird dabei als ein Oberbegriff für Theorien und Studien zu den Eigenschaften und Bedingungen gebraucht, die das Leben am meisten lebenswert machen. Man geht davon aus, dass das Verständnis und die Förderung menschlicher Stärken einen Beitrag dazu leisten können, einzelne Individuen aber auch die Gesellschaft als Ganzes voranzubringen.

Die Positive Psychologie versucht die Psychologie wieder zu komplettieren, indem sie verstärkt bislang vernachlässigte Bereiche untersucht. Seligman (2000) beschreibt drei Säulen der Positiven Psychologie. Er spricht vom positiven Erleben (z. B. contentment, satisfaction), positiven Traits (z. B. Tugenden, Charakterstärken oder Talent) sowie positiven Institutionen. Bezogen auf das positive Erlebens unterscheidet er drei Ebenen: vergangenheitsorientierte (z. B. contentment, satisfaction, pride), zukunftsorientierte (z. B. optimism, hope, trust) und gegenwartsbezogene positive Emotionen. Bei letzteren unterscheidet er zwischen pleasures (über Sinne vermittelt) und gratifications (eher erlernt, Aktivitäten, die wir lieben). Seligman, Parks und Steen (2004) beschreiben als das „ultimative Ziel“ der Positiven Psychologie, Menschen glücklicher zu machen, in dem sie dabei unterstützt werden, positive Emotionen, Erfüllung (gratification) sowie Sinn (im Leben; meaning) zu verstehen und aufzubauen. Positive Institutionen beschreiben Rahmenbedingungen von Institutionen, die ein Wachstum erlauben. Zu nennen sind hier „gesunde“ Familien, Wohngegenden, Schulen, Medien oder Betriebe. Nach Seligman besteht ein erfülltes Leben im Erleben positiver Emotionen (sowohl auf die Vergangenheit, als auch auf die Zukunft bezogen). Teile davon sind der Genuss positiver Emotionen bei Vergnügungen, reichliche Belohnungen bei Selbstrealisation der Ausübung der Signaturstärken und schliesslich der Gebrauch dieser Stärken im Dienst einer höheren Sache, um Bedeutung zu erlangen.

Seligman (2000) versteht Charakterstärken als positive Traits, als moralisch bewertete Eigenschaften. Zwischen den Menschen gibt es stabile und generelle individuelle Unterschiede in ihren Stärken. Diese sollen veränderbar und damit auch trainierbar sein, da sie auch von den Lebensumständen einer Person abhängen (Peterson, 2000).

Peterson und Seligman (2004) beschreiben einen Katalog von 24 Charakterstärken und sechs Tugenden, der als eine Art DSM (Diagnostic Statistic Manual) für positive Eigenschaften („Manual of the Sanities“) fungieren soll. Menschliche Stärken werden dabei in den Vordergrund der Forschung gestellt. Die Autoren haben sich für Ihre Klassifikation auf verschiedene philosophische, religiöse oder psychologische Quellen aus unterschiedlichen Kulturen gestützt. In den Katalog wurden solche Stärken und Tugenden aufgenommen, die über verschiedene Kulturen und Nationen hinweg erwünschte und erstrebenswerte Eigenschaften beschreiben. Unterstützt werden diese Bemühungen durch empirische Studien zu einzelnen Stärken. Als universelle Tugenden nennen die Autoren Weisheit und Wissen (dazugehörige Stärken sind beispielsweise Kreativität, Originalität und Einfallsreichtum), Mut (z. B. Tapferkeit, Ausdauer und Beharrlichkeit), Liebe/Humanität (z. B. Fähigkeit zu lieben, Bindungsfähigkeit und Freundlichkeit, Grosszügigkeit), Gerechtigkeit (z. B. Zugehörigkeit, Teamfähigkeit und Loyalität), Mässigung (z. B. Vergebungsbereitschaft, Verzeihung und Gnade) sowie Spiritualität und Transzendenz (z. B. Sinn für das Schöne, Ehrfurcht und Dankbarkeit).

Die Positive Psychologie stützt sich auf die Überzeugung, dass Menschen ein sinnvolles und erfüllendes Leben führen möchten, ihre eigenen Stärken kennen lernen und weiter ausbauen möchten und, dass sie sich auf vielen verschiedenen Ebenen, wie Liebe, Arbeit oder im Spiel, weiter entwickeln möchten.