Studium/Lehre

Positionierung der Fachrichtung im Studium

Gegenstand der Persönlichkeitspsychologie ist die empirisch fundierte Beschreibung, Erklärung und Vorhersage der grundlegenden Strukturen und Prozesse der Persönlichkeit, die menschliches Erleben und Verhalten bedingen. Die Fachrichtung ist seit HS 2014 im Master-Schwerpunkt Sozial-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie verortet.

Differentielle Psychologie/Persönlichkeitspsychologie

"Nichts ist innen, nichts ist aussen – denn was drinnen ist, ist draussen"

Wieso dachte man früher, aus der Grösse des Kopfes etwas über einen Menschen aussagen zu können?

Die Grundlagen der Persönlichkeitspsychologe werden im Bachelor-Studiengang in der Vorlesung Persönlichkeitspsychologie (158/923) dargestellt. Hier wird das Grundwissen vermittelt und im Master-Studienprogramm rücken dann spezielle Aspekte der Persönlichkeitsforschung in den Vordergrund. Allgemein kann man festhalten, dass im Zentrum des Interesses die nicht pathologischen inter- und intraindividuellen Unterschiede und Besonderheiten im Verhalten und Erleben sowie die Untersuchung ihrer Ursachen und Wirkungen stehen.

Welche Konzeptionen in Persönlichkeit und Intelligenz gibt es?

Ergänzend zur Vorlesung der Persönlichkeitspsychologie werden in den Seminaren "Ausgewählte Themen der Persönlichkeitsforschung" und "Positive Eigenschaften: Moralische und intellektuelle Exzellenz" verschiedene bedeutsame Konzeptionen und Theorien der Persönlichkeit und Intelligenz behandelt. Im Seminar "Ausgewählte Themen der Persönlichkeitsforschung" erwerben die Teilnehmenden tiefergehende Kenntnisse zur Messung und Konzeptualisierung sowie zu Theorien und Korrelaten verschiedener Persönlichkeitsmodelle und spezifischer Persönlichkeitseigenschaften. Im Seminar "Positive Eigenschaften: Moralische und intellektuelle Exzellenz" werden unter anderem verschiedene Intelligenzmodelle vertieft besprochen und auf die Erklärung intellektueller Exzellenz angewandt. Ausserdem beschäftigen sich die Teilnehmenden mit dem Thema Hochbegabung.

Persönlichkeit, Humor und Kreativität

Das englischsprachige Seminar Personality Traits in the Spotlight: Investigating Humor and Creativity (506 TT-6/nK) beschäftigt sich mit habituellen Unterschieden (Sinn für Humor, humorbezogenes Temperament, kreative Persönlichkeit, Offenheit für neue Erfahrungen) sowie leistungsbezogenen Unterschieden (Humorverständnis, Humorproduktion, divergentes Denken) in den Persönlichkeitsmerkmalen Humor und Kreativität. Im Seminar werden Theorien und Modelle vorgestellt, aktuelle Befunde und Messverfahren diskutiert sowie Anwendungen von Humor und Kreativität am Arbeitsplatz, im Gesundheitsbereich und im Bildungswesen vertieft.

Angewandte Persönlichkeitspsychologie

Im Seminar "Aktuelle Forschung und Anwendungsbereiche der Persönlichkeitspsychologie" werden Aspekte der angewandten Persönlichkeitspsychologie vertieft. Themenschwerpunkte sind: Persönlichkeit in der Schul- und Bildungspsychologie, bei der Arbeit, in der Beziehung, und Persönlichkeit und Suchtverhalten bzw. kriminelles Verhalten.

Was ist das gute Leben aus psychologischer Sicht? Unterscheiden sich Freizeitanimateure und Manager hinsichtlich ihrer Charakterstärken?

Einen Forschungsschwerpunkt der Fachrichtung stellt die Positive Psychologie dar. Dabei steht die Beschäftigung mit dem positiven Erleben (z.B. flow, well-being), mit positiven Eigenschaften (z.B. Tugenden und Charakterstärken) und (der Charakteristika) von positiven Institutionen im Vordergrund. Im Seminar "Positive Eigenschaften: Moralische und intellektuelle Exzellenz" werden erste Einblicke in die Auseinandersetzung mit moralisch wertvollen Eigenschaften (u.a. Tugenden, Charakterstärken) gegeben. Diese Themen werden mit Hilfe aktueller Forschungsliteratur sowie in Diskussionen und praktischen Übungen erarbeitet. Für weiter fortgeschrittene Studierende wird im MSc-Studiengang die Veranstaltung "Charakterstärken, das gute Leben und positive Interventionen". Hier steht die praktische Anwendung der Positiven Psychologie in verschiedenen Bereichen (Schule, Berufs-, Karriere- und Laufbahnberatung, Militärpsychologie, Coaching) im Vordergrund. Positive Interventionen sind ebenso Themen, wie etwa die Messung positiver Eigenschaften. Darüber hinaus werden an der Fachrichtung auch eine Reihe von Masterarbeitsthemen/Projektgruppen angeboten, die in der Positiven Psychologie angesiedelt sind.

Psychologische Diagnostik

Gegenstand der Psychologischen Diagnostik ist das systematische Sammeln und Aufbereiten von Informationen, die zur Begründung, zur Kontrolle und zur Optimierung von psychologischen Entscheidungen und Interventionen notwendig sind. Dabei existiert eine enge Verbindung zwischen angewandter Diagnostik und Diagnostik als Grundlagendisziplin. Die Grundlagen der Diagnostik werden im Bachelor-Studiengang in der Vorlesung Psychologische Diagnostik dargestellt. Hier wird das Grundwissen vermittelt, und im MSc-Studiengang rücken dann spezielle Aspekte der angewandten Diagnostik in den Vordergrund.

Wie funktionieren psychologische Tests?

Basiswissen der Psychologischen Diagnostik wird im Bachelor-Studiengang in der Vorlesung Testtheorievermittelt. Die Vorlesung weist durch die enge Anbindung an die Psychologische Diagnostik hohen Praxisbezug auf. Dazu gehört auch, dass jeder Teilnehmer die Gelegenheit hat, Tests selbst auszuprobieren. Dafür stehen moderne Testsysteme (s. Foto) für computergestützte Testungen zur Verfügung.

Wie werden psychologische Tests entwickelt?

Im Seminar "Einführung in die Testkonstruktion: Theorie und Praxis" lernen die Teilnehmenden unter Anleitung einen Fragebogen zu konstruieren bzw. zu adaptieren. Danach werden diese Fragebögen online Versuchspersonen vorgegeben und danach die psychometrischen Eigenschaften bestimmt. In dieser stark anwendungsbezogenen Lehrveranstaltung wird das Handwerkszeug vermittelt, um später selbstständig Tests entwickeln zu können und um Fragebogendaten wissenschaftlicher Studien auswerten und berichten zu können.

Wie werden psychologische Gutachten geschrieben und wie kann Persönlichkeit gemessen werden?

Inhalt des Seminars "Psychologische Begutachtung der Persönlichkeit in Forschung und Praxis" (808d (FDI-2/K)) ist anhand zahlreicher praktischer Beispiele zu zeigen, worauf man bei der Erstellung eines psychologischen Gutachtens achten muss, um ein auch für dritte Personen nachvollziehbares Gutachten zu verfassen. Der psychologisch-diagnostische Prozess von der richtigen Formulierung der Fragestellung, über die Anamneseerhebung, die Erstellung eines Anforderungsprofils, die Auswahl psychologischer Strategien (Tests, Verhaltensbeobachtung, usw.) bis hin zur Festlegung eines Interventionsvorschlags wird vorgestellt. Hierbei wird vor allem Wert auf die Erfassung von Persönlichkeit durch mehrere Methoden gelegt (wie Mimik, Selbst- und Fremdbericht, objektive Tests). Diese verschiedenen Arten von Informationen, die während eines diagnostischen Prozesses gesammelt werden können, sollten einander bei der Absicherung von Urteilen (z.B. in Gutachten) unterstützen.

Der Weg zum Testergebnis: Ein Blick hinter die "Kulissen"

Im Seminar "Anwendungsgebiete und Praktische Übungen zu psychologisch-diagnostischen Verfahren" wird ein Überblick über praktische Anwendungsbereiche der Psychologischen Diagnostik gegeben. Dabei wird u.a. auf die Berufs-, Karriere- und Laufbahnberatung, schulpsychologische Fragestellungen, aber auch Fragen aus dem Bereich berufsbezogener Eignungsbeurteilungen eingegangen. Neben der theoretischen Wissensvermittlung steht aber auch die praktische Arbeit mit Tests und Fragebogen im Vordergrund. In Kleingruppen wird über das Semester hinweg ein Fragebogen / Test genauer angesehen (Studium des Manuals; wo findet man die relevanten Informationen? Was sind empfohlene Anwendungsbereiche usw.) und selbst ausprobiert (praktische Umsetzung) sowie über die Ergebnisse berichtet.

Was kann man aus der Mimik eines Menschen ablesen?

In einem Praktikum beim Zurich Interaction and Expression Laboratorykann das Facial Action Coding System (FACS) von Ekman, Friesen und Hager (2002) erlernt und angewandt werden. Dabei handelt es sich um ein an der menschlichen Anatomie der Gesichtsmuskulatur ausgerichtetes Kodierverfahren sämtlicher möglicher mimischer Veränderungen. Teilnehmer an der Veranstaltung lernen sog. Action Units (AUs) kennen. Dabei handelt es sich um die kleinsten möglichen erkennbaren Einzelaktionen der mimischen Muskulatur. Dieses Wissen mag auch im Alltag helfen, die richtige Entscheidung zu treffen, wenn es darum geht, sich zwischen den Alternativen "fight or flight" zu entscheiden bzw. es mag hilfreich sein, schon vorher zu wissen, was es bedeutet, wenn einem sein Partner mit der Kombination AU 4 + AU 5 + AU 24 oder mit AU 6 + AU 12 zu einem Gespräch unter vier Augen bittet (s. Fotos).

Masterarbeiten, Projektgruppen und Forschungskolloquium

Masterarbeiten

Die Themen von Masterarbeiten ergeben sich zum einen aus den Projektgruppen, die laufend angeboten werden sowie aus dem Forschungsprofil der Fachrichtung. Einen Überblick über Forschung an der Fachrichtung finden Sie weiter unten auf dieser Seite sowie über das Forschungsportal der Universität Zürich und hier im Überblick über abgeschlossene und ausgeschriebene Arbeiten an der Fachrichtung. InteressentInnen an einer Masterarbeit an der Fachrichtung können sich auch jederzeit bei Prof. Willibald Ruch melden.

Projektgruppen zur Positiven Psychologie

An der Fachrichtung wurden zahlreiche Arbeiten zu Charakterstärken und Tugenden erstellt. Hier wurden unterschiedliche Berufsgruppen miteinander verglichen (z.B. Freizeit-Animateure, Berufsoffiziere oder Manager) oder verschiedene Messmethoden (z.B. Fragebogen oder strukturierte Interviews) erprobt. In den letzten Jahren sind eine Reihe von Arbeiten veröffentlicht worden, die darauf hinweisen, dass durch Interventionen aus der Positiven Psychologie die Lebenszufriedenheit von Menschen gesteigert werden kann. An der Fachrichtung wurden in den letzten Jahren eine Reihe von Projekten durchgeführt (z.B. das „Zürcher Stärken Programm“, Z.S.P. oder Online-Trainings wie www.staerkentraining.ch), die zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Darüber hinaus wurden in den letzten Jahren verstärkte Bemühungen getroffen, Konzepte aus der Positiven Psychologie (z.B. Charakterstärken, Tugenden, Orientierungen zum Glück usw.) reliabel und valide messen zu können — wer einen dieser Fragebogen selbst ausprobieren möchte, der/die kann das unter www.charakterstaerken.org machen. Die Projektgruppen zur Positiven Psychologie beschäftigen sich mit diesen Themen, aber auch mit der Bedeutung von Charakterstärken bei Kindern und Jugendlichen. Dabei werden verschiedene Lebensbereiche, u.a. die Schule, betrachtet.

Projektgruppen zu Humor und Positiven Emotionen

In den Projektgruppen zu Humor und Positiven Emotionen werden verschiedene Messinstrumente sowie verschiedene Herangehensweisen in der Humorforschung vorgestellt; einschliesslich von Methoden, die sich auf die Beschreibung mimischer Vorgänge über das Facial Action Coding System (FACS) beziehen. Die Projektgruppe bietet auch die Möglichkeit, sich vertieft mit Humortheorien auseinandersetzen zu können. Heiterkeit, Ernst und schlechte Laune können hier ebenso Themen sein, wie die Angst oder Freude daran, ausgelacht zu werden (oder die Freude daran, andere auszulachen) oder Überlegungen dazu, wie man verschiedene Aspekte des Humors mit Leistungstests messen kann.

Meet the Experts!

Bereits etablierte und angehende Experten (Master-Studierende, und Doktoranden und MitarbeiterInnen der Fachrichtung) präsentieren im Forschungskolloquium neueste Ergebnisse aktueller Studien und stehen für Fragen und Diskussion zur Verfügung. Darüber hinaus wird über den Master-Schwerpunkt ein Gästekolloquium von der Fachrichtung mitgestaltet. Als Gäste berichten hier ebenso wie im Forschungskolloquium der Fachrichtung führende internationale Wissenschafter aus dem Bereich Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik (sowie aus angrenzenden Gebieten) von ihren aktuellen Forschungsarbeiten.

Einige hilfreiche Tipps

OLAT

Einige unserer Seminare und Vorlesungen werden durch OLAT unterstützt. Hier finden Sie ausführliche Informationen sowie Support zu OLAT.

Testarchiv

Die Fachrichtung Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik betreut das Testarchiv des Psychologischen Instituts, wo psychodiagnostische Verfahren dokumentiert werden. Studierende des Faches Psychologie an der Universität Zürich sind berechtigt, Verfahren auszuborgen. Mit Fragen zur Ausleihe und Organisation kann man sich per email ans Testarchiv wenden; für weiterführende Fragen an den verantwortlichen Assistenten.

Handbibliothek und Computerarbeitsplätze

Hier werden fachspezifische und allgemeine Bücher sowie Nachschlagewerke und Lehrvideos gesammelt. Studierenden steht die Handbibliothek als Präsenzbibliothek zur Verfügung. Bei Fragen kann man sich an den verantwortlichen Assistenten wenden. Im Raum 5.B.11 stehen auch mit Computern ausgestattete Arbeitsplätze zur Verfügung, die von Studierenden sowie DoktorandInnen der Fachrichtung genutzt werden können.

Praktika

Allgemeine Informationen zu Praktika im Studium finden sich auf den Seiten des Psychologischen Instituts. Bei Fragen zu internen oder externen Foschungspraktika an der Fachrichtung kann man sich an die verantwortliche Assistentin wenden.

Versuchspersonenstunden

Sie haben noch Versuchspersonenstunden abzuleisten? Bei den aktuell laufenden Untersuchungen haben Sie die Möglichkeit dazu.

Studienberatung

Für Studierende aus dem BSc- und MSc-Studienprogramm gibt es eine zentrale Studienberatung seitens des Instituts. Bei inhaltlichen Fragen zu den Veranstaltungen unserer Fachrichtung können Sie sich natürlich an die entsprechenden Dozenten wenden.