NaTel – Multizentrische Studie zur telefonbasierten Erhaltungstherapie

Telefonbasierte psychotherapeutische Erhaltungstherapie für Menschen mit chronischer und rezidivierender Depression: Eine multizentrische, randomisiert-kontrollierte Studie (NaTel-Studie)

Projektleitung: Prof. Dr. Birgit Watzke, Dr. Markus Wolf

Projektkoordination: Dipl.-Psych. Savion Hesse

Depressionen verlaufen häufig episodisch oder chronisch und stellen für die Betroffenen eine grosse und oftmals dauerhafte Belastung dar. Akute Depressionen können wirksam behandelt werden; allerdings bleibt auch nach erfolgreicher Therapie ein hohes Rückfallrisiko. Daher empfehlen Behandlungsrichtlinien gezielte psychotherapeutische Massnahmen zur Nachsorge und Rückfallprophylaxe. Die tatsächliche Umsetzung solcher erhaltungstherapeutischer Massnahmen scheitert in der Praxis jedoch häufig, sei es am Aufwand oder weil es keine nahtlosen Weiterbehandlungsmöglichkeiten gibt. Hier könnten systematische erhaltungstherapeutische Telefonkontakte gewinnbringend eingesetzt werden, da sie eine flexible und ortsunabhängige therapeutische Unterstützung ermöglichen.

Ziel des Projekts „Nachsorge per Telefon“ (NaTel) ist es, die Wirksamkeit einer telefongestützten, kognitiv-verhaltenstherapeutischen Erhaltungstherapie zu untersuchen. Das Angebot richtet sich speziell an Patientinnen und Patienten, die wegen einer akuten Episode einer Major Depression eine Psychotherapie absolviert haben und aufgrund ihrer Krankheitsgeschichte ein erhöhtes Rückfallrisiko aufweisen. Die Erhaltungstherapie schliesst nahtlos an die Akuttherapie an, dauert sechs Monate und umfasst acht Telefongespräche, die durch eigens geschulte Therapeuten der beteiligten Zentren durchgeführt werden.

Im Rahmen unserer vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten, 2-armigen, multizentrischen, randomisiert-kontrollierten Studie wird die Wirksamkeit der Intervention im Vergleich zur Standardbehandlung untersucht. Die Stichprobe der Studie umfasst ca. 220 Patienten mit rezidivierender oder chronischer Depression, die zuvor eine ambulante oder stationäre kognitiv-verhaltenstherapeutische Akutbehandlung an einem der beteiligten Zentren in der Schweiz und Deutschland absolviert haben. Als primärer Endpunkt der Studie werden depressive Rückfälle im Zeitraum von 18 Monaten nach Abschluss der Akuttherapie untersucht. Des Weiteren werden zentrale psychologische Mechanismen der Rückfallprophylaxe sowie die Kosteneffektivität der Intervention untersucht.

Das NaTel-Projekt soll einen Beitrag dazu leisten, die Behandlungssituation und damit die Lebensqualität von Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen zu verbessern. Der Einsatz von niedrigschwelligen Angeboten wie der telefonbasierten Erhaltungstherapie eröffnet neue Möglichkeiten, den Zugang zu Nachsorgeangeboten zu verbessern, um den individuellen Gesundungsprozess der betroffenen Menschen langfristig positiv zu beeinflussen.

Projeklaufzeit: 2017 - 2020

Projektförderung: Schweizerischer Nationalfonds (SNF)

Kooperationspartner:

- Universitätsspital Zürich, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

- Universität Bern, Universitätsklinik fur Psychiatrie und Psychotherapie

- Universität Fribourg, Zentrum für Psychotherapie

- Psychiatrische Dienste Aargau AG, Zentrum Psychiatrie und Psychotherapie stationär

- Klinik Meissenberg AG, Psychiatrische und Psychotherapeutische Spezialklinik für Frauen

- Privatklinik Meiringen, Zentrum für seelische Gesundheit

- Klinikum Stuttgart, Krankenhaus Bad Cannstatt, Institut für Klinische Psychologie

- Universitätsspital Zürich, Zentrum für Klinische Forschung

- Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Polyklinik für Medizinische Psychologie