Forschung

Aktuelle Forschungsprojekte


Gedächtnisprozesse beim Urteilen und Entscheiden

Bei Entscheidungen und Urteilen spielen die Attribute der zur Auswahl stehenden Optionen und die Wichtigkeit, die der Entscheidungsträger diesen Attributen zuschreibt, eine wesentliche Rolle. Zum Beispiel hängt eine Entscheidung zwischen verschiedenen Bewerbern für einen Job davon ab, welche Qualifikationen und Eigenschaften die Bewerber mitbringen und welche dieser Qualifikationen der Personalchef als wichtig erachtet. Im Entscheidungsprozess werden aber häufig auch Erinnerungen an ähnliche Entscheidungssituationen oder -optionen im Gedächtnis aktiviert. Zum Beispiel könnte einer der Bewerber den Personalchef an einen ehemaligen Mitarbeiter erinnern. Uns interessiert wann und wie solche Erinnerungen an frühere Fälle oder Entscheidungssituationen den Entscheidungsprozess (z.B. für oder gegen den Bewerber) beeinflussen.
       
In vier Forschungsprojekten untersuchen wir, welche Faktoren beeinflussen, ob ein bestimmter Fall (ein sogenanntes Exemplar) aus dem Gedächtnis abgerufen wird und welchen Einfluss der Abruf von Exemplaren auf den Entscheidungsprozess ausübt.
       
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1) Der Einfluss von Emotionen auf gedächtnisbasierte Urteile und Entscheidungen

    Emotionen beeinflussen Entscheidungen auf vielen Ebenen, doch ihre Rolle im Entscheidungsprozess ist noch relativ unklar. Dieses Forschungsprojekt untersucht wie die Intensität der emotionalen Erfahrungen, die man mit einem bestimmten Fall oder Exemplar gemacht hat (z.B. eine negative Erfahrung mit einem ähnlichen Produkt) beeinflusst, ob die Erinnerung an dieses Exemplar später in einer ähnlichen Entscheidungssituation aktiviert wird und die Entscheidung beeinflusst.

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    2) Process Tracing von Informationssuche im Gedächtnis
    Die Suche von Informationen im Gedächtnis entzieht sich in der Regel einer direkten Beobachtung. Das Ziel dieses Forschungsprojekts ist es, eine neue Methode anzuwenden und weiterzuentwickeln, die den Abruf von Informationen aus dem Gedächtnis, basierend auf der Aufzeichnung von Augenbewegungen, untersucht. Insbesondere nutzen wir diese Methode, um den Abruf von Exemplaren im Entscheidungsprozess zu verfolgen. Dies erlaubt uns, Schlussfolgerungen darüber zu treffen, wann und in welcher Reihenfolge Exemplare während des Entscheidungsprozesses aus dem Gedächtnis abgerufen werden, und welche Faktoren den Abruf beeinflussen.

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    3) Mathematische Modellierung von Urteilstrategien
    Existierende formale Modelle menschlicher Urteilsprozessen erlauben häufig keine Vorhersagen über den Entscheidungsprozess, wie zum Beispiel über Reaktionszeiten. Das Ziel dieses Forschungsprojekts ist es mathematische Modelle zu entwickeln und zu validieren, die menschliche Urteile beschreiben können und gleichzeitig Vorhersagen über resultierende Reaktionszeiten und Konfidenzen in getätigte Urteile erlauben. Momentan entwickeln wir ein Exemplarbasiertes-Random-Walk-Modell, das den Urteilsprozess anhand eines sequentiellen Abrufs von Exemplaren aus dem Gedächtnis beschreibt.

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    4) Entscheidungen im Konsum- und Gesundheitsbereich
   

Ziel dieses Forschungsprojekts ist es zu untersuchen wie Befunde aus der Grundlagenforschung verwendet werden können, um Entscheidungen in Anwendungskontexten wie dem Konsum- oder Gesundheitsbereich besser zu verstehen. Zum Beispiel untersuchen wir, wie die Präsentation der Entscheidungsoptionen (simultan oder sequentiell) beeinflusst, in welchem Masse anekdotische Evidenz, wie z.B. Kundenrezensionen, in Konsumentscheidung berücksichtigt wird.

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Zur Zeit in diesem Bereich tätige Personen: Bettina von Helversen, Agnes Scholz, René Schlegelmilch, Rebecca Albrecht

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    Sequentielle Entscheidungen
   

Viele Entscheidung müssen getroffen werden bevor alle Optionen begutachtet werden konnten. Zum Beispiel bei der Job-, oder Partnersuche können Entscheidungsoptionen in der Regel nur nacheinander begutachtet werden, und das, ohne zu wissen welche Optionen in der Zukunft zur Verfügung stehen. Wir untersuchen welche Strategien Menschen in sequentiellen Entscheidungsaufgaben verwenden, und wie diese von Emotionen und kognitiven Fähigkeiten abhängen.

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Zur Zeit in diesem Bereich tätige Personen: Bettina von Helversen, Christiane Baumann

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    Diagnostisches Schließen
    Beim diagnostischen Schließen versucht ein Entscheider die bestmögliche Erklärung für eine Reihe von Beobachtungen zu finden. Zum Beispiel wählt ein Arzt aus möglichen Diagnosen, diejenige aus, welche die Symptome des Patienten am besten beschreibt. Beim diagnostischen Schließen sind die Optionen gegeben und die Informationen werden sequentiell präsentiert. Es hat sich gezeigt, dass Entscheider bei dieser Art von Aufgabe versuchen, eine möglichst kohärente Erklärung zu finden. Uns interessiert, wie Entscheider die gegebenen Informationen gewichten um zu einem kohärenten Urteil zu gelangen und welchen Einfluss Gedächtnisprozesse dabei nehmen.

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Zur Zeit in diesem Bereich tätige Personen: Agnes Scholz